Veranstaltungsarchiv

ConAct im Deutschen Bundestag – Deutsch-Israelische Parlamentariergruppe veranstaltete Informationsgespräch zum Jugendaustausch

Im Nachgang zum großen Jubiläumsjahr der deutsch-israelischen Beziehungen im Jahr 2015 war es ein Anliegen des Vorstands der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, sich über aktuelle Entwicklungen und inhaltliche Herausforderungen im deutsch-israelischen Jugendaustausch zu informieren. Entsprechend hatten die Mitglieder des Vorstands, die verschiedenen Parteien angehören – Kerstin Griese, Gitta Connemann und Jan Korte – alle Parlamentarier/-innen des Deutschen Bundestages zur Informationsveranstaltung eingeladen, die am 14. April 2016 im Bundestag stattfand.

Christine Mähler, Leitung von ConAct, gab in Kürze einen umfassenden Überblick über Geschichte, Daten, Stellenwert und Wirkung deutsch-israelischer Jugendbegegnungen. Dabei wurde herausgestellt, dass die rund 7 000 Jugendlichen, die jährlich an außerschulischen Austauschprogrammen teilnehmen, durch den spezifischen deutsch-israelischen Beziehungskontext in jedem Programm mit bestimmten Inhalten historisch-politischer Bildungsarbeit konfrontiert sind: Die vielfach intensive, gemeinsam mit israelischen jungen Menschen erlebte Auseinandersetzung mit der deutschen nationalsozialistischen Geschichte, der Schoah und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart bewirkt dabei vielfach eine erhöhte Sensibilität der jungen Menschen gegenüber Phänomenen von Ausgrenzung und Diskriminierung. Auch den verbreiteten Formen von latentem Antisemitismus oder antiisraelischen Ressentiments erliegen junge Menschen, die Israel und seine Menschen aus nächster Nähe erlebt haben, kaum. Im Gegenteil, oft entstehen enge Bindungen zu Land und Leuten, die zu weiterem Engagement führen – wie etwa zu einem längeren Aufenthalt in Israel oder Deutschland im Rahmen eines Freiwilligendienstes.

Von den Möglichkeiten und der nachhaltigen Wirkung eines Freiwilligendienstes in Israel berichtete Jutta Weduwen, Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF). Als eine der ersten Organisationen entsendete ASF Anfang der 60er Jahre Gruppen von jungen Menschen, die im jungen Staat Israel Aufbauarbeit leisten wollten – im Bewusstsein der Zerstörung jüdischen Lebens in Deutschland und Europa. Seither leisten jährlich rund 25 junge Menschen aus Deutschland einen einjährigen Freiwilligendienst in zivilgesellschaftlichen Projekten in Israel, immer auch mit dem Anliegen, einen Teil ihrer Zeit mit Überlebenden der Schoah zu verbringen.

Als dritte Organisation stellten der Vorsitzende Tibor Luckenbach und sein Vorgänger, der langjährige Vorsitzende Lukas Welz, das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vor: Mit zahlreichen Regionalgruppen in allen Teilen Deutschlands fungiert es als Anknüpfungspunkt für das Interesse und Engagement junger Menschen an und für Israel. In bundesweiten Seminaren und auch in bilateralen Begegnungsprojekten greifen sie vielfältige Themen auf. Ein großes Projekt der letzten Jahre war beispielsweise der „GreenXchange“ – ein fachliches Programm rund um ökologische Themen und Aktivitäten in beiden Ländern.

Allen Akteur/-innen und Gästen dieser Veranstaltung gemein war das Interesse an der Frage, wie der Kontext deutsch-israelischer Begegnung zukünftig erweitert werden kann, um junge Menschen unterschiedlicher ethnisch-kultureller Herkunft und mit verschiedenen Migrationsgeschichten an den wertvollen und prägenden Erfahrungen deutsch-israelischer Begegnungen teilhaben zu lassen.