Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich

Bildung und Beschäftigung

Bildung

In Israel machen die jährlichen Gesamtausgaben für Bildung und Erziehung nach Angaben des Zentralbüros für Statistik (CBS) insgesamt 7,9 % des Bruttoinlandsproduktes aus (2014). Das ist ein höherer Anteil als in Deutschland (5,1 %) oder im Durchschnitt aller OECD-Länder (6,2 %) (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Rechnet man die Ausgaben jedoch pro Kopf der Gesamtbevölkerung, erreicht Israel wegen des hohen Anteils an Kindern und Jugendlichen einen geringeren Prozentsatz als der Durchschnittswert der OECD.

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Staatliche Programme

Erziehungs- und Lernprogramme zu Fächern wie Mathematik, Physik, Biologie und Biochemie sind Schwerpunkte von Aktionsprogrammen im Bildungs- und Ausbildungssystem. Das Ministerium für Erziehung (Abteilung Wissenschaft und Technologie) investiert insbesondere in die Förderung der Bildung auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet. Mit verschiedenen Universitäten und wissenschaftlichen Forschungsinstituten des Landes arbeitet das Erziehungsprogramm Wissenschaftsinteressierte Jugend (Noar Schocher) zusammen. Es richtet sich an Jugendliche aus einkommensschwachen Familien und verfolgt das Ziel, eine wissenschaftsorientierte Ausbildung und eine entsprechende Berufswahl zu fördern.

In Kooperation mit dem US-amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed-Martin arbeitet das Ministerium für Wissenschaft und Technologie an der Entwicklung von Programmen der beruflichen Qualifizierung im Bereich von Cyber-Security. Für Kindergärten und Schulen soll ein STEM-Curriculum (Science, Technology, Engineering, Mathematics) entwickelt werden, um frühzeitig motivierte und gut geförderte Schüler*innen für diese Ausbildungszweige zu gewinnen.

Ein weiteres Ausbildungsprogramm des Ministeriums will speziell Schülerinnen dazu motivieren, bereits an der Oberschule intensiv naturwissenschaftliche Fächer zu wählen und zu studieren, um später eine wissenschaftliche Berufslaufbahn einzuschlagen. Etwa 400 Mädchen, zur Hälfte aus arabischen und drusischen Familien, haben 2015 an diesem Programm unter dem Titel Frauen als Wissenschaftlerinnen der Zukunft teilgenommen.
 

 

Nichtstaatliche Bildungsreinrichtungen

Nichtstaatliche Organisationen spielen in der Berufsbildung Israels traditionell eine tragende Rolle. Sie unterhalten ein dichtes Netzwerk von Ausbildungsstätten und Angeboten zur beruflichen Bildung. Die wichtigste dieser Organisationen ist ORT, die weltweit größte jüdische Erziehungs- und Ausbildungseinrichtung mit Schwerpunkt auf Ausbildungsprogrammen für Wissenschaft und Technik. ORT unterhält in Israel über 150 Einrichtungen für mehr als 90.000 Auszubildende. Das vergleichbare (gewerkschaftsnahe) Ausbildungsnetzwerk Amal verfügt über mehr als 120 Einrichtungen mit etwa 40.000 Lernenden.
 

Jugendförderung

Israel ist ein Einwanderungsland. Im Prozess der Aufnahme und Integration von Neueingewanderten (Olim Chadaschim) hat die Förderung von Chancengleichheit durch berufliche Bildung einen hohen Stellenwert. Erziehungsprogramme für Jugendliche fördern entsprechende Vorbereitungs- und Qualifizierungsprogramme.

Das Ausbildungsprogramm HILA (der Name ist das hebräischen Kürzel für „Abschluss der Grundausbildung“) wendet sich an Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten und an Schulabbrecher*innen. Es ermöglicht Jugendlichen aus eingewanderten Familien, oft mit russischem oder äthiopischem Familienhintergrund, ihre schulische oder berufliche Ausbildung abzuschließen. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt auf der Verbesserung von Lese- und Schreibfertigkeiten arabischer Kinder und Jugendlicher.

Die Initiative des Erziehungsministeriums Jugend im Zentrum des Interesses (Hanoar B’Merkas Ha‘injanim) vernetzt verschiedene Einrichtungen der Jugendarbeit. Es dient der Entwicklung neuer Förderprogramme, der Fortbildung von Mitarbeiter*innen, der Integration von Jugendlichen durch Aktionsprogramme und der engen Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden und Jugendeinrichtungen.

Das Förderprogramm 

Unistream

 möchte sozial benachteiligte Jugendliche aus Orten der Peripherie Israels zu einer guten beruflichen Ausbildung motivieren und zur Gründung künftiger eigener Start-Up-Unternehmen befähigen.

 

Beschäftigung

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Israel im Vergleich mit anderen Mitgliedsstaaten der OECD relativ niedrig, der Prozentsatz lag 2018 bei 7,2 % (Männer 6,9 %, Frauen 7,4 %). Im Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten lag die im gleichen Jahr bei 11,9%. Bestimmte israelische Bevölkerungsgruppen sind jedoch überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. Mehr als 3/4 der männlichen fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) und 3/4 der weiblichen arabischen Bevölkerung sind nicht berufstätig. Fehlende Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung mit hohen Geburtenraten sind die entscheidenden Ursachen der hohen Armutsrate dieser Bevölkerungsgruppen. Die Erhöhung von Beschäftigungschancen ist ein notweniger Schritt auf dem Weg, die israelische Gesellschaft gerechter, fairer und toleranter zu machen.

Social Venture Fund for Jewish-Arab Equality and Shared Society fördert Einzelpersonen, Stiftungen und Verbände, die sich durch Ausbildungsprogramme und Reformprojekte für jüdisch-arabisches Zusammenleben und soziale und wirtschaftliche Strukturentwicklung engagieren. Die jüdisch-arabische Initiative Tsofen (Code) organisiert Hi-Tech-Kurse für arabische Oberschüler*innen, um ihre Ausbildungs- und Berufschancen zu verbessern. Vergleichbare Ziele verfolgt das Reuven-Surkis-Program für Schüler*innen mit äthiopischem Migrationshintergrund an der Technischen Hochschule Jerusalem.

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Kinder- und Jugendarmut

Laut Armutsbericht 2015 der Nationalen Sozialversicherung gelten 1,7 Millionen Menschen in Israel als arm, darunter 776.000 von insgesamt 2,74 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren. In der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) leben 54 % unterhalb der Armutsgrenze und 2/3 der Kinder in Armut. Unter den 34 Mitgliedsstaaten der OECD hat Israel nach der Türkei die zweithöchste Kinderarmutsrate. In der beduinischen Bevölkerung liegt die Kinderarmut nach Zahlen des israelischen Zentralbüros für Statistik zum Jahr 2018 sogar bei 80 % (im nationalen Durchschnitt: 30,2 %).

Verschiedene staatliche Programme unterstützen Eltern, Erziehende und Lehrende bei der Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit und ihren Folgen. Das Erziehungswissenschaftliche Institut der Universität Haifa veröffentlicht dazu Informationen und Ratgeber. Die Abteilung „Gesellschaft und Jugend“ im Ministerium für Erziehung gibt Aufklärungsmaterial zu Arbeitslosigkeit und Armut heraus. Mehr Frauen aus der arabischen und mehr Männer aus der frommen jüdischen Bevölkerung in das Berufsleben zu integrieren, ist zentrales Ziel staatlicher Politik gegen Armut.

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Berufsqualifizierung für religiöse Bevölkerung

Ein entscheidender Grund für häufig mangelnde berufliche Perspektiven in der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) ist der fehlende Unterricht in ihrem Schulsystem in Fremdsprachen und naturwissenschaftlichen Fächern. Das führt zu mangelnder Qualifikation für den Arbeitsmarkt. Das Erziehungsministerium hat ein Förderprogramm für 17- bis 20-jährige religiöse Jugendliche initiiert, um ihnen eine berufliche Zukunft zu ermöglichen. Innerhalb von nur 2 Jahren können sie kostenlos die allgemeine 12-jährige Schulausbildung nachholen und das Abitur ablegen.

Ein 2007 geschaffenes Ausbildungsprogramm der Armee versucht, mehr religiöse Männer für die Armee zu gewinnen, sie leisten wegen ihrer kontinuierlichen religiösen Studien in der Regel keinen Militärdienst. Das Schachar-Programm ermöglicht fromm-religiösen Rekruten, in besonderen Einheiten zu dienen, dort ihren Glauben zu praktizieren und gleichzeitig in einem 6-monatigen Intensivkurs eine computer- und kommunikationstechnische Ausbildung zu absolvieren. Das Programm qualifiziert für eine spätere Berufstätigkeit und ermöglicht auf diese Weise einen finanziellen Unterhalt der Familien.

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Gesundheit und Sport

Gesundheit

Im internationalen Ranking des World Happiness Report 2018 der UN, dessen Kriterien sich an der wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und demokratischen Situation des jeweiligen Landes orientieren, nimmt Israel den 11. Platz ein, noch vor Deutschland (15.) und den USA (18.), jedoch nach Finnland (1.), Norwegen (2.) Dänemark (3.), Island (4.) und der Schweiz (5.). Obwohl der Nahe Osten eine Krisensituation ist und die sicherheitspolitische Situation Israels ständig angespannt ist, sind laut einer israelischen Umfrage von 2015 73 % der Bevölkerung überzeugt, dass Israel ein „guter Platz zum Leben“ ist. Nach einer Studie des Geocartography Institute von 2015 nennen israelische Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren auf die Frage, was ihnen das Wichtigste im Leben sei, zuerst die Familie (79 %), danach folgen Gesundheit (73 %) und Ausbildung (68 %).

Das israelische Gesundheitswesen ist dem in anderen hoch entwickelten Ländern vergleichbar und hat eine gute medizinische Infrastruktur. Die Gesamtausgaben für Gesundheit betragen 7,6 % des Bruttoinlandsproduktes (2014), der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 9,4 %. Pro 1.000 Einwohner gibt es 5,4 Krankenhausbetten und 3,09 Ärztinnen und Ärzte, die Geburtenrate beträgt 3,08 und die Kindersterberate 3,1 bei 1.000 Geburten. Die Lebenserwartung für Männer liegt bei 82 und für Frauen bei 84,9 Jahre (2020). Geheiratet wird im Durchschnittalter von 27,4 bei Männern und 24,7 bei Frauen (2014). Das Ministerium für Gesundheit koordiniert die Gesundheitspolitik des Landes und veröffentlicht Aufklärungs- und Informationsmaterial.

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Corona

Auch das israelische Gesundheitssystem war von der weltweiten Corona-Pandemie 2020 / 2021 stark betroffen. Im internationalen Vergleich nahm Israel die führende Position in der schnellen Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen ein. Viele Jugendlichen beteiligten sich an Arbeitseinsätzen zur Unterstützung alter, kranker und einsamer Menschen. In der gemeinnützigen Organisation Meir Panim zum Beispiel halfen mehr als 8.000 Freiwillige bei der Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige.

Das gemeinsame Erleiden der Corona-Krise, die Zusammenarbeit in den Intensivstationen der Krankenhäuser und Unterstützungsmaßnahmen der Armee haben positive Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen jüdischen und arabischen Bevölkerungsteilen. Laut einer Studie des Israel Democracy Instituts (IDI) vom April/Mai 2020 denkt eine Mehrheit der Befragten (65 % der arabischen und 57 % der jüdischen), dass der gemeinsame Kampf gegen Corona jüdisch-arabischen Beziehungen innerhalb Israels verbessert hat.

 

Zigaretten

Häufigste vorzeitige Todesursache stellen die Folgen des Rauchens dar, welche jährlich etwa 10.000 Menschen in Israel das Leben kostet. In der Gesamtbevölkerung rauchen 27,3 % der Männer und 12,5 % der Frauen, im EU-Durchschnitt sind es 28,5 % bzw. 17,7 %. Am höchsten liegt die Rauchenden-Quote in Tel Aviv (30 %) und am niedrigsten (8 %) im religiös geprägten Bnei Brak (2015). Nach einer Untersuchung des israelischen Gesundheitsministeriums beträgt das Durchschnittalter beim Beginn des regelmäßigen Rauchens bei Jungen 15,7 und bei Mädchen 16 Jahre. Beim Eintritt in die Armee rauchen 31 % der männlichen und 25,7 % der weiblichen Jugendlichen. Seit 2004 gilt in Israel ein Verbot des Zigarettenverkaufs an Jugendliche unter 18 Jahren. Im gleichen Jahr trat ein neues Gesetz in Kraft, das deutlich sichtbare Warnungen auf den Zigarettenpackungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens vorschreibt.
 

Alkoholika

Nach Statistiken der OECD liegt der jährliche durchschnittliche Alkoholkonsum in Israel bei 2,5 Litern pro Kopf (2009); das ist neben der Türkei mit 1,5 Litern pro Kopf der geringste Wert aller 34 untersuchten Länder. Vor allem seit den hohen Einwanderungszahlen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in den 90er Jahren ist in Israel der Konsum stark angestiegen. 90 % der 12- bis 18-jährigen aus diesen Ländern stammenden Jugendlichen geben an, innerhalb der letzten 12 Monate Alkohol getrunken zu haben; bei den in Israel geborenen Jugendlichen der gleichen Altersgruppe liegt der Prozentsatz bei 49 %.

Unter arabischen Jungen ist der Konsum von Alkoholika stärker als unter jüdischen, bei den Mädchen ist es umgekehrt, unter Studierenden konsumieren durchschnittlich 34,2 % regelmäßig Alkohol, 42,5 % gelegentlich. Mit zunehmendem Alter nimmt der Konsum ab, der Prozentsatz liegt bei über 75-Jährigen bei 28,8 %. Um dem Alkoholmissbrauch zu begegnen, der auch zu steigenden Verkehrsunfällen und Gewaltdelikten führt, sind seit 2009 die Kompetenzen der „Behörde gegen Drogen“ um den Bereich Alkoholmissbrauch erweitert. Diskutiert wird auch eine Erhöhung der Altersgrenze für den Kauf von Alkoholika von 18 auf 21 Jahre.
 

Drogen

Israel liegt geografisch an einer Schnittstelle des illegalen internationalen Drogenhandels vor allem zwischen Afrika, dem Balkan und Osteuropa. Aus den Nachbarstaaten Libanon, Ägypten und Jordanien werden große Mengen an illegalen Drogen über die Grenzen geschmuggelt. Israelische „Mafia-Gruppen“ dominieren neben russischen, kolumbianischen und dominikanischen den weltweiten Handel mit Ecstasy. Nach Angaben des „World Drug Report“ der UN hat sich der Kokain-Konsum in Israel zwischen 2005 und 2009 verdoppelt, fast 1 % der 18- bis 40-Jährigen gibt an, die Droge zu nehmen. Auch der Konsum von Marijuhana und Haschisch ist weit verbreitet.

Unter Studierenden an Hochschulen liegt Konsum illegaler Drogen bei mehr als 30 %. Bei internationalen Vergleichen über Drogenkonsum unter Studierenden ist zu berücksichtigen, dass israelische Studierende in der Regel nach zwei- bis dreijährigem Militärdienst älter sind und sich in einer anderen Lebensphase befinden. Nach Abschluss der mehrjährigen Armeezeit unternehmen tausende israelische Rucksackreisende zeitlich und geografisch ausgedehnten Auslandsaufenthalte vor allem nach Asien sowie Süd- und Mittelamerika. Laut einer Untersuchung der Ben-Gurion-Universität konsumieren mehr als 80 % der etwa 20.000 israelischen Backpackers im Ausland Drogen.
 

Beruhigungsmittel

Aufgrund unsicherer Lebensbedingungen und andauernder Angst vor Gewalt, Terror und Krieg nehmen viele Israelis, auch viele Kinder und Jugendliche, Medikamente zur Beruhigung. Laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation ist der prozentuale Anteil von Beruhigungsmittel bei Kindern und Jugendlichen in Israel nach Grönland der zweithöchste in der Welt (2000). 18 % der israelischen 11-jährigen Jungen und 12 % der gleichaltrigen Mädchen nehmen mindestens einmal im Monat Beruhigungsmittel. Im Jahr 2008 ist der allgemeine Verbrauch an Medikamenten gegen Depression und Angstzustände in Israel im Vergleich mit den beiden Vorjahren um 23 % angestiegen.
 

Suizide

Nach Angaben der WHO (World Health Organization) beträgt in Israel die durchschnittliche jährliche Suizid-Rate per 100.000 Einwohnern bei Männern 9,8 und bei Frauen 2,6 (2012). Die Zahl der insgesamt registrierten Suizidversuche liegt bei etwa 3.500 jährlich (2013). Häufigste Hintergründe sind wirtschaftliche und soziale Notlagen und persönliche Schwierigkeiten von Eingewanderten bei ihrer Eingliederung in die neue Gesellschaft. Unter Jugendlichen haben 13 % schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich selbst zu töten. 5 % der Heranwachsenden haben tatsächlich einen Suizid-Versuch unternommen (2004). In der Armee ist Suizid noch vor militärischen Einsätzen die statistisch häufigste Todesursache.
 

HIV-Infektionen

Nach Angaben des Zentralbüros für Statistik leben in Israel 6.947 Menschen, die HIV infiziert sind und 583 Menschen, die an Aids erkrankt sind, und sich in medizinischer Behandlung befinden (2014). Das israelische Präventionsprogramm der Nicht-Regierungsorganisation „Jerusalem AIDS Project“ (JAIP) wurde von UNAIDS, der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen als das bestes Aufklärungsmodell über HIV und AIDS und als Vorbild für andere Länder ausgezeichnet.

Quellen

Sport

Staatliche Sportförderung

Für Sportunterricht an Schulen und anderen Erziehungseinrichtungen ist das Ministerium für Kultur und Sport - Amt für Sport zuständig, ebenso für Sportzentren, Sportmedizin, Forschung und entsprechende fachliche Veröffentlichungen. Auf lokaler Ebene fördern die Sportämter der örtlichen Verwaltungen außerschulische sportliche Aktivitäten und unterstützen Sportverbände und Sportanlagen des Breiten- und Leistungssports. Die zentrale Ausbildungsstätte des Landes für Lehrende von Sport und Physiotherapie, Trainerinnen und Trainer sowie Jugendleiterinnen und Jugendleiter ist das Wingate Institute bei Netanja. Es fungiert auch als Ausbildungszentrum für die Armee. Drei weitere israelische Sporthochschulen befinden sich in Tel Aviv, Be’er Schewa und Givat Washington. Ein Sportzentrum für Menschen mit Behinderungen (Israel Sports Center for the Disabled) liegt in Ramat Gan.
 

Breitensport

Die beliebtesten Mannschaftssportarten in Israel sind Fußball und Basketball. In den letzten Jahren haben auch Judo und Tennis stark an Zulauf gewonnen. Im Breitensport ist gemeinsames Wandern, Laufen oder Schwimmen bei jungen wie alten Israelinnen und Israelis sehr beliebt. Öffentliche Sportveranstaltungen haben häufig einen besonderen israelischen Charakter. Sie nehmen Bezug auf Orte und Ereignisse in Bibel und jüdischer Geschichte, werden geprägt von Volksfestatmosphäre und finden nicht selten unter Beteiligung junger Soldat*innen in der Ausbildung statt.

Jährliche besonders populäre Traditionsveranstaltungen sind das vom Sportverband Hapoel organisierte Durchschwimmen des Sees Genezareth, der Volkslauf um den Berg Tabor, das Massenschwimmen in der Bucht von Haifa oder im Roten Meer bei Eilat sowie der dreitägige von Armee organisierte Frühlingsmarsch nach Jerusalem. Die Stadt Jerusalem organisiert jährlich Sommer Zeltlager und Sportwettkämpfe für tausende Jugendliche aus jüdischen und arabischen Jugendklubs, ähnliche Veranstaltungen finden auch an anderen Orten des Landes statt. Internationale bekannte Sportereignisse sind der Tel Aviver und der Jerusalemer Marathonlauf.

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Die bereits vor der Gründung des Staates Israels entstandenen traditionsreichen großen jüdischen Sportbewegungen Hapoel (Engl.), Makkabi (Engl.), Beitar (Hebr.) und Elizur (Hebr.) wurden ursprünglich einmal stark mit verschiedenen parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Bewegungen identifiziert, verstehen sich jedoch heute in Israel als überparteiliche Organisationen.

 

Internationale Sportwelt

Das von der Makkabi-Sportbewegung organisierte internationale Sportfestival Makkabia ist weltweit bekannt. Es ist ähnlich wie die Olympischen Spiele konzipiert und das größte internationale jüdische Sportereignis mit zuletzt über 10.000 Teilnehmenden, das drittgrößte Sportereignis der Welt. Das Sportfestival findet jeweils im Jahr vor den olympischen Spielen in Israel statt, zuletzt vom 4. bis 18. Juli 2017, das nächste Mal im Jahr 2021. Jeweils im Jahr nach der Olympiade organisiert die Hapoel-Bewegung in Israel einen weiteren internationalen Sportwettkampf jüdischer Athlet*innen aus aller Welt.

Seit dem Oktober-Krieg 1973 ist Israel von internationalen Sportereignissen in asiatischen Ländern ausgeschlossen und deshalb verbandspolitisch in die europäische Sportwelt integriert. Israel wurde offiziell in die europäische Region verschiedener internationaler Sport-Föderationen aufgenommen. Durch den israelisch-arabischen Konflikt begründete Boykott-Maßnahmen beeinträchtigen noch immer internationale israelische Sportkontakte.

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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung

Die israelische Gesellschaft ist religiös, sprachlich, kulturell und parteipolitisch sehr verschiedenartig und wird von großen sozialen Unterschieden sowie dem andauernden jüdisch-arabischen Konflikt geprägt. Kontroversen zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens bestimmen das Alltagsleben. Kaum eine Regierungszeit dauert bis zum Ende der regulären Legislaturperiode.

 

Politik im Alltag

Die Identifikation mit Gesellschaft und Staat ist in der israelischen Bevölkerung laut aktueller Untersuchungen bemerkenswert hoch. Eine Umfrage des Israel Democracy Institute von 2014 ergab, dass sich 86 % der jüdischen und 65 % der arabischen Bevölkerung als „stolze“ oder „ziemlich stolze“ Israelis bezeichneten, als Teil des Staates fühlten sich 78 % der jüdischen und 59 % der arabischen Befragten.In den vergangenen Jahren zeigt sich in der arabischen Bevölkerung eine pragmatische Bereitschaft zur Integration in israelische Gesellschaft und Politik. Laut einer Umfrage der Website Local Call (Sicha Mekomit) definierten sich vor den Parlamentswahlen im April 2019 46 % der arabischen Befragten als „israelische Araber“, 22 % als „Araber“, 19 % als „israelische Palästinenser“ und 14 % als „Palästinenser“.

Quellen

 

 

Politische Bildung

In dieser Situation kommt politischer Bildung eine wichtige Aufgabe zu. Programme für außerschulische politische Bildungsarbeit werden vor allem vom Amt „Gesellschaft und Jugend“ (Hebräisch) sowie vom Amt „Pädagogik“ im Ministerium für Erziehung entwickelt, das entsprechende Informations- und Lehrmaterial für zentrale gesellschaftspolitische Themen herausgibt. Näheres zu aktuellen Themenschwerpunkten siehe auch im Abschnitt Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme.

Politische Bildung zielt im Allgemeinen auf eine aktive Teilnahme am sozialen und politischen Leben in Schule, Studium, Gemeinde und Arbeitsstelle, im Jugendverband sowie im Militär- oder Zivildienst. In Israel soll sie darüber hinaus zur Weiterentwicklung des jüdischen und demokratischen Staates beitragen. Die Kombination jüdischer und universeller Werte stellt eine Herausforderung dar, allgemeine humanistische Überzeugungen mit dem Bewusstsein, in einer arabisch-muslimischen Umwelt zu leben, wollen mit einer ausgeprägten jüdisch-hebräischen Identität der Mehrheitsgesellschaft und des Staates in Einklang gebracht werden.

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Jüdisch-Arabische Koexistenz

In Israel wird für den Gedanken der jüdisch-arabischen Koexistenz das hebräische Wort „Dukijum“ gebraucht. Unter dieser Überschrift bemühen sich schulische und außerschulische Erziehungsprogramme, Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie örtliche Initiativen um jüdisch-arabisches Verständigung, den Ausgleich sozial-ökonomischer Unterschiede und um die Überwindung von Misstrauen, Angst und Hass zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit mehreren arabischen Staaten der Region im Jahr 2020 hat in Israel Hoffnungen auf Frieden und Verständigung mit weiteren arabischen Nachbarstaaten geweckt und zu einem wachsenden Interesse an arabischer Kultur und Sprache geführt. Schwere Zeiten von Gewalt, Terror und Krieg jedoch - wie zum Beispiel im Mai 2021 – führen immer wieder zu Enttäuschungen und Rückschlägen. Der in dieser Zeit produzierte in Hebräisch und Arabisch rappende Videoclip “Let’s Talk Straight” ermöglicht einen guten Eindruck von zentralen Streitthemen in jüdisch-arabisch-palästinensischen Gesprächsversuchen.

Auf Gemeindeebene engagieren sich Stadtteilzentren um gemeinsame Bildungs- und Freizeitangebote für arabische und jüdische Jugendliche, unter anderem das „Arab-Jewish Communitiy Center“ in Jaffa, das „Clore Center“ in Akko, die beduinische Initiative „A New Dawn“ in Rahat.

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Identität und Selbstbewusstsein

Der Charakter vieler jugendpolitischer Bildungsprojekte wird oft von einem starken Wir-Gefühl und der Zugehörigkeit zu einer Jugendorganisation oder zu einem informellen sozialen Netzwerk geprägt. Vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche aus eingewanderten oder nicht-jüdischen Familien ohne ausgeprägte jüdisch-israelische Identität ist dieser Ansatz grundlegend für eine Eingliederung in die israelische Gesellschaft.

Die dem Erziehungsministerium zugeordnete Organisation Sehut (Identität) ist Dachverband von 32 Organisationen. Sie koordiniert die Bildungsarbeit ihrer mehr als 60 Zentren für jüdische Identität (Merkasim Le’sehut Jehudit) in allen Landesteilen. Die vor allem an Kinder und Jugendliche in nichtreligiösen Schulen und Kindergärten gerichteten Lernangebote wollen jüdisches Selbstbewusstsein stärken und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft fördern. Sie erreichen etwa 500.000 Schüler*innen in mehr als 700 Schulen.

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Vielfalt und Einheit der Gesellschaft

Unter israelischen Jugendlichen gibt es eine deutliche Tendenz, sich enttäuscht vom als erstarrt und veraltet empfundenen gesellschaftlichem Establishment zu lösen und nach eigenen Lebenswegen zu suchen, zum Beispiel durch Abwanderung ins Ausland oder durch Anschluss an religiös inspirierte Gruppen wie die Frommenbewegung (Charedim) oder die national-religiöse Jugend der Siedlungsbewegung. Gleichzeitig gibt es auch Gegenbewegungen der Ablösung religiöser Jugendlicher aus ihrer bisherigen Umwelt. Politische Bildungsarbeit in Israel versucht, auf diese Tendenzen einer Entfremdung von der eigenen Familie oder Gesellschaft zu reagieren.

Aktuelle Jugendarbeit bemüht sich verstärkt um die Integration von Religion und religiöser Traditionen in die Demokratie- und Menschenrechtserziehung. Die sozialistische Jugendbewegung „Junger Wächter“ (Haschomer Haza’ir) fördert mit ihrem Lernprojekt „Guter Kreis“ die Gründung von örtlichen Studienzirkeln (Batej Midrasch) für Leiter*innen der Jugendarbeit zu traditionellen hebräischen Texten.  Auch staatlich-säkulare Schulen bieten besondere Unterrichtseinheiten zu religiösen Themen an.

Von Staatspräsidenten Reuven Rivlin 2016 initiiert wird das landesweite Aktionsprogramm „Israelische Hoffnung auf Erziehung(Tikwa Israelit Bechinuch) in Kooperation mit dem Erziehungsministerium, Lokalbehörden und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen organisiert. Es fördert Austausch und Zusammenarbeit zwischen den vier großen gesellschaftlichen Bevölkerungsgruppen (säkular, religiös, ultra-religiös, arabisch) deren schulische und außerschulische Bildungssystemen weitgehend getrennt voneinander arbeiten. Durch mehr Diversität, Inklusion und Kooperation sollen ethnische, soziale und religiöse Spannungen zwischen diesen Gruppen vermindert und eine gemeinsame „israelische Identität“ entwickelt werden.

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Jom Ha|‘achdut (Tag der Einheit) – Material des Erziehungsministeriums zum jährlichen Tag der Einheit und Solidarität (Hebräisch)
 

Jugend der Siedlungsbewegung

Die Zukunft israelischer Siedlungen in den von Israel 1967 eroberten Gebieten ist Thema kontroverse Debatten. Eine kleine Gruppe extremistischer Jugendlicher im national-religiösen Teil der Siedlungsbewegung wehrt sich mit Protestaktionen, die bisweilen auch gewalttätig werden, gegen die Räumung israelischer Siedlungen und weitere Zugeständnis an die palästinensischen Regierung. Die israelischen Behörden reagieren zum Teil mit Strafverfahren.

Im Erziehungs- und Wohlfahrtsministerium werden Bildungsprogramme und Resozialisierungsmaßnahmen für religiös und politisch radikalisierte Jugendliche entwickelt, die oftmals Schulabbrecher*innen sind und sich von den Normen der etablierten Gesellschaft losgesagt haben. Dialoggruppen bemühen sich um sie und organisieren Begegnungsprogramme zwischen religiösen und säkularen Kritiker*innen und Anhänger*innen der Siedlungsbewegung (siehe auch im Kapitel: Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche).

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Radio und Internet

Eine große Rolle in der politischen Bewusstseinsbildung und Anteilnahme am gesellschaftlichen Tagesgeschehen spielen die Radiobeiträge des Armee-Senders Galej Zahal (Armee-Welle). Vor allem junge Leute hören seine beiden Kanäle Galaz und Galgalaz, die ganztägig Nachrichten, Interviews, Gespräche und viel Musik bringen.

Israelis allen Alters nutzen im Alltag sehr intensiv das Internet. Die israelische Internet-Gemeinde ist eine der aktivsten der Welt. Neue Medien und das Internet nehmen eine dominierende Stellung im Freizeitverhalten ein. Israelische Surfer*innen bilden einen kreativen Teil der internationalen Facebook- und Blog-Szene. Auch englischsprachige Blogs zum Thema Israel und so genannte „J-Blogs“ zu „jüdischen“ Themen haben starken Zulauf. Das Internet spielt auch in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit eine große Rolle. In Folge der Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 wurden viele neue internetgestützte Lernplattformen entwickelt.

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Freiwilliges Engagement

Freiwilliges Engagement

Freiwilliges Engagement (Hitnadwut) für die Gemeinde, die Gesellschaft und den Staat hat in Israel eine lange Tradition und ist Teil der Alltagskultur.

Freiwilligendienste

Nach einer Umfrage der gemeinnützigen Organisation Ruach Towa zur Vermittlung von Freiwilligen engagieren sich 22,9 % der Bevölkerung in lang oder kurzfristigen Freiwilligendiensten und 44,5 % wollen dies in Zukunft tun.

Über 270 Organisationen im Land nehmen Freiwillige auf, die vor allem im Bereich von Sozial- und Gesundheitsdiensten tätig werden. Sie engagieren sich in Kindergärten und Altenheimen, Schulen, Bildungseinrichtungen und Gemeindezentren, Gefängnissen, Zivilschutzprogrammen, Rettungsdiensten, Feuerwehr, öffentlichen Bibliotheken und Gesundheitseinrichtungen sowie in Umwelt- und Tierschutzorganisationen, auch in Sicherheits- und Geheimdiensten. Nach Angaben des  israelischen Zentralbüros für Statistik zum Internationalen Tag der Freiwilligenarbeit 2018 engagieren sich die meisten im Bereich der Betreuung von Senioren (40,1 %), danach  folgen Erziehung (19,8 %), Gesundheit (9,3 %), Kultur und Umweltschutz (9,4 %), Zivilschutz und Polizei (7,2 %) - Sonstige (14,1 %).

Das Ministerium für Arbeit, Wohlfahrt und Soziales ist mit seiner Freiwilligenabteilung und die Ortsverwaltungen sind mit ihren Sozialdienstabteilungen für die Begleitung und Beaufsichtigung der Freiwilligenarbeit verantwortlich. Die verschiedenen Freiwilligenorganisationen werden vom Nationalen Rat für Freiwilligendienste koordiniert. Er fungiert als Dachorganisation der Freiwilligenorganisationen und wird von der Regierung finanziert. Der Rat unterstützt die Mitgliedsorganisationen bei der Vorbereitung und Begleitung der Freiwilligen.

Weltweit das zahlenmäßig größte Tutoring-Programm in Schulen ist der staatlich geförderte Freiwilligendienst Perach (Blume), in dem etwa 30.000 israelische Student*innen als persönliche Tutor*innen sozial benachteiligte Schüler*innen betreuen. Ein bekannter großer Träger von Freiwilligendiensten ist auch der Jugendverband des israelischen nationalen Rettungsdienstes Magen David Adom (MDA – Roter Schild Davids). In seinem Jugendverband sind mehr als 7.500 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren als Mitglieder engagiert.

Nationaler Dienst/Ziviler Dienst

An 18- bis 21-Jährige, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Wehrdienst gehen (das sind etwa 50 % eines Altersjahrgangs), richtet sich das Angebot eines ein- oder zweijährigen staatlichen Nationalen Zivilen Dienstes (Scherut Hale’umi-Ha‘esrachi). Die etwa 8.000 Einsatzstellen sind zu 75 % staatliche Institutionen oder Einrichtungen, die eng mit Regierungsstellen zusammenarbeiten. Die meisten Teilnehmenden, etwa die Hälfte, sind religiöse jüdische Frauen, etwa ein Viertel sind säkulare Jugendliche, ein Viertel sind junge Menschen aus der arabischen Bevölkerung, die in Israel keiner Wehrpflicht unterliegen. Im Jahr 2008 wurde eine offizielle Behörde für Nationalen Zivilen Dienst geschaffen,  die anfangs dem Ministerium für Landwirtschaft zugeordnet war, doch heute im Ministerium für Siedlungswesen (Misrad Hahitjaschwut) untergebracht ist.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Freiwilligen stark angestiegen. Sie hat sich 2004 bis 2014 von 8.647 auf 17.051 fast verdoppelt. Die Beteiligung arabischer Freiwilliger, fast immer Frauen, hat dabei enorm zugenommen, von 240 in 2004 auf 4.157 in 2014. Arabische Teilnehmende machen zurzeit etwa ein Viertel der Freiwilligen des Nationalen Zivilen Dienstes aus. Die Programme sind auch offen für Menschen mit Behinderungen oder straffällig gewordene Jugendliche, die nicht in die Armee eingezogen wurden. Im Jahr 2021 haben etwa 18.000 Freiwillige einen Nationalen Zivilen Dienst geleistet.

Quelle

 

Trägerorganisationen

Mehrere große Trägerorganisationen vermitteln Einsatzstellen des Nationalen-Zivilen Dienstes. Die größte und bereits vor 40 Jahren gegründete Organisation ist die Aguda Lehitnadwut (Volunteer Association), mit jährlich etwa 5.500 Freiwilligen. Sie bietet jeweils verschiedene Programmschienen für Freiwillige aus sozialen Brennpunkten, religiöse Frauen und arabische Freiwillige an. Seit über 30 Jahren vermittelt die Organisation Aminadav Freiwilligenstellen des Nationalen Dienstes an religiöse Frauen. Im Jahr 1993 wurde die Trägerorganisation Shlomit gegründet. Sie richtete sich ursprünglich besonders an säkulare Frauen, hat jedoch 2009 mit Shel auch ein spezielles Freiwilligenprogramm für religiöse Frauen ins Leben gerufen, 2014 wurde erstmals eine Freiwilligengruppe der Trans Community in ihr Programm aufgenommen.

Nationaler Dienst im Ausland

Die Trägerorganisation Bat Ami wurde 1994 für Freiwilligendienste jüdischer religiöser Frauen im Nationalen Zivilen Dienst gegründet. Heute vermittelt sie Freiwilligenstellen sowohl für religiöse und nichtreligiöse als auch für jüdische und nichtjüdische Teilnehmende. In Kooperation mit der internationalen jüdischen Jugendbewegung „Bnei Akiva Olamit“ organisiert sie den Nationalen Dienst im Ausland (Scherut Le’umi B’tfuzot). Israelische Freiwillige arbeiten nach Absolvierung eines nationalen zivilen Freiwilligenjahres in Israel noch ein weiteres Jahr in jüdischen Gemeinden und sozialen Einrichtungen im Ausland. Sie versuchen, dort durch sozial-karitatives und erzieherisches Engagement Neugier für jüdische und israelische Kultur, Sprache und Religion zu wecken und die Beziehungen zwischen Israel und jüdischen Gemeinden in der Diaspora zu stärken. 2018 leisten 107 Freiwillige ihren Nationalen Auslandsdienst, und zwar in Australien, Österreich, Schweiz, Uruguay, Mexiko, Kanada und den USA.

 

Dienstjahr

Es gibt auch engagierte israelische Freiwillige, die sich zusätzlich zum Militärdienst für ein freiwilliges soziales Jahr verpflichten. Unter der Bezeichnung Dienstjahr (Schnat Scherut) leisten wehrpflichtige Personen nach Abschluss der Oberschule zuerst einen einjährigen Freiwilligendienst, oft in Entwicklungsstädten und sozialen Brennpunkten. In Anlehnung an die beiden hebräischen Anfangsbuchstaben (Schin) im Namen des Programms werden sie als Schinschinim bezeichnet. An das soziale Freiwilligenjahr schließt sich ihre Militärzeit an, dessen Beginn entsprechend aufgeschoben wird. Vor allem junge Leute aus Kibbuzim und den großen Jugendbewegungen verpflichten sich zu einem solchen Dienst, etwa 2/3 davon sind Frauen. Die Freiwilligen arbeiten in Schulen, Gemeindezentren, sozialen Brennpunkten und Feldschulen. Im Jahr 2020 waren es insgesamt 3.600 Freiwillige aus 30 verschiedenen Organisationen.

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  • Schinschinim – Website zum freiwilligen Dienstjahr „Schnat Scherut“ mit Liste der Trägerorganisationen (Hebräisch)

Kultur und Kreativität

Kultur und Kreativität

Die israelische Kulturszene wird von der Buntheit und Vielfalt ethnischer und religiöser Bevölkerungsgruppen aus mehr als 80 Ländern inspiriert, in der sich Elemente aus Ost und West, aus Orient und Okzident, sowie aus allen Erdteilen der Welt vermischen. In den ersten Jahrzehnten Israels galt die Schaffung einer einheitlichen hebräisch-israelischen Kultur als Ziel der Erziehungs- und Bildungsarbeit. Heute zielen Kulturpolitik und Bildungswesen auf die Bewahrung der Einheit in der Vielfalt der Gesellschaft.

Für den Kulturbereich ist in Israel das Ministerium für Kultur und Sport zuständig. Mit ihrem monatlichen Newsletter „Kultur in Israel“ (Archiv 2007 bis 2020) informiert die Kulturabteilung der Botschaft des Staates Israels in Berlin über Aktuelles in der israelischen Kulturszene und Besuche israelischer Kulturschaffender in Deutschland. Das jährlich größte Kulturereignis im Land ist das dreiwöchige internationale Festival Israel in Jerusalem.

Kulturerziehung

Wichtige Träger staatlicher kultureller Jugendbildung in Israel sind die entsprechenden Abteilungen des Ministeriums für Erziehung und die mit dem Ministerium zusammenarbeitende Einrichtungen der lokalen Behörden. In den mehr als 150 Zentren für Kultur, Jugend und Sport (Matnassim) bilden kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen einen wichtigen Programmschwerpunkt der wöchentlichen Veranstaltungen. Die großen politischen Verbände wie Parteien, Gewerkschaften und Kibbuzbewegungen unterhalten jeweils spezielle Kulturabteilungen für Jugendarbeit. In Bildungseinrichtungen und Initiativen, die sich um jüdisch-arabische Verständigung bemühen, sind kulturell ausgerichtete Programme ein Mittel, breitere Publikumsschichten zu erreichen.

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Literatur

Bücher spielen in der israelischen Kultur eine überragende Rolle. Zwei literarische Jahresereignisse in Israel sind das Jerusalem International Book Forum und das International Writers Festival in Jerusalem. Literarisches wird auch in anderen Sprachen wie Englisch, Russisch, Französisch oder Polnisch veröffentlicht. Buchreihen für Kinder und Jugendliche sind ein wichtiger Bestandteil der israelischen Buchproduktion. Das Ministerium für Erziehung förderte die Entwicklung von Kinder- und Jugendliteratur durch die Verleihung des jährlichen Ze’ev-Preises für Kinderliteratur. Die Themen der modernen israelischen Literatur für umfassen auch kontroverse Inhalte, die früher als Tabu in der Kinder- und Jugendliteratur galten, wie zum Beispiel Familienkrisen, Scheidungen, Tod und Verzweiflung in Kriegssituationen.

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Arabisch

Neben Hebräisch als Landessprache gilt Arabisch in Israel offiziell als Landessprache „mit besonderem Status“. Nach einer Studie (2018) der Vereinigung zur Förderung jüdisch-arabischer Gleichstellung Sikkuy sind jedoch nur 1,6 % der jüdischen Israelis in der Lage, in der arabischer Umgangssprache zu kommunizieren. Auf dem Hintergrund der zunehmenden offiziellen Beziehungen zu arabischen Staaten in der Region, der wachsenden Integration arabischer Bevölkerung in israelische Gesellschaft und Politik sowie der Erfahrungen des gemeinsamen Kampfes gegen den Covid-19-Virus wächst das Interesse an außerschulischen Angeboten zum Arabischlernen. Junge israelische Unternehmen haben neue digitale Programme zum Sprachenlernen entwickelt, die enormen Zulauf haben.

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Musik

Israelinnen und Israelis singen gern und kennen die Texte einheimischer Folklore und Pop-Musik oft auswendig. Wie traditionelle Volksmusik ist auch die einheimische israelische Rock- und Popmusik stark von ethnischen und kulturellen Bindungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen geprägt. Einen erheblichen Anteil an der israelischen Musikszene haben Künstler und Musikgruppen, die ihre Karriere in einer der Kultur- und Unterhaltungsabteilungen der Armee (Zahal) begonnen haben. In populären Schabbat- und Festival-Liedern werden Verse aus der Bibel und liturgische Elemente lebendig. Ein Grund für die besondere Beliebtheit jemenitischer Musik ist ihre große Ähnlichkeit mit biblischen musikalischen Traditionen. Israelischer HipHop mit einer Mischung aus orientalisch-mediterranen Klängen, hartem Rap und Soul thematisiert soziale und politische Aspekte des israelischen Alltagslebens. Auch klassische Musik hat einen hohen Stellenwert, international bekannt sind das Israel Philharmonic Orchestra und das Jerusalem Symphony Orchestra.

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Theater

Das Repertoire der israelischen Theaterszene umfasst ein breites Spektrum klassischer, moderner und kommerzieller Stücke. Das moderne Theater greift oft kontroverse aktuelle Themen wie den jüdisch-arabischen Konflikt oder die Macht von Ideologien auf und ist Gegenstand heftiger öffentlicher Debatten. Auch klassische Stücke werden in israelischen Inszenierungen immer wieder in den Kontext der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation gestellt. Mit der Einwanderungswelle aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er Jahren kam eine große Zahl kulturell engagierter Kulturschaffender ins Land. Das führte zur Gründung des erfolgreichen russischsprachigen Theaters Gescher (Brücke). Großes internationales Ansehen genießt das ursprünglich in Moskau gegründete Nationaltheater Habima (Die Bühne) in Tel Aviv, das erste hebräische Theater der Welt.

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Kunst und Museen

Bei der Entwicklung der Malerei und Bildhauerkunst in Israel spielten und spielen die Kibbuzim (landwirtschaftliche Kollektivsiedlungen) und die bereits 1906 gegründete Kunsthochschule Bezalel für Kunst und Design in Jerusalem eine große Rolle. Zeitgenössische Künste in Israel sind von modernen internationalen Strömungen beeinflusst, zeigen jedoch gleichzeitig typische Merkmale israelischer Kultur. Kunst in allen Formen wird in vielen Museen und in einer Fülle von Galerien im ganzen Land gezeigt. Mehr als 80 Museen in Groß- und Kleinstädten sowie in Kibbuzim sind vielfältigen Themenbereichen gewidmet, von Archäologie bis Zoologie.

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Tanz

Moderne israelische Tanzkunst genießt Weltruf und verbindet europäische und orientalische Traditionen miteinander. Im In- und Ausland berühmte Tanzgruppen sind Batsheva Dance Company, Bat-Dor und Kibbuz Contemporary Dance Company mit modernen Tänzen sowie das Israel Ballett mit klassischem Tanz. Überall im Land sind Volkstanzgruppen aktiv und pflegen ihre jeweiligen Traditionen – europäische, orientalische, weltliche, religiöse. Am bekanntesten ist die Jerusalemer Gruppe Hora Jeruschalaim. Internationale Ausstrahlung hat das Karmiel Dance Festival.

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Film

Im Bereich des Films erregten Produktionen mit politischen Botschaften, die sich stark mit gesellschaftspolitischen Themen und dem jüdisch-arabischen Konflikt beschäftigen, auch im Ausland immer wieder Aufsehen. In den israelischen Kulturzentren Jerusalem und Tel Aviv befinden sich Filmakademien. Die Sam Spiegel Film School für Fernsehen und Film in Jerusalem und die Steve Tisch School an der Universität Tel Aviv zählen zu den renommiertesten Filmausbildungsstätten. Das Sapir College im Süden des Landes (Kreis Scha’ar Hanegev) bietet einen Hochschulstudiengang für Film und Fernstehen.

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Integration und Inklusion

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Einwanderungsland

Israel ist ein Einwanderungsland. Vor dem Hintergrund des israelisch-arabischen Konfliktes flüchteten nach der Staatsgründung 1948 bis Ende der 50er Jahre etwa 800.000 jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern nach Israel. Während der 70er Jahre kamen aus der Sowjetunion etwa 160.000, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seit 1989 noch einmal über 1 Millionen Einwandernde aus russischsprachigen Ländern. In den 80er und 90er Jahren wurden etwa 100.000 in großer sozialer Not lebender Jüdinnen und Juden aus Äthiopien nach Israel geholt.

Die Zeiten der großen Masseneinwanderungen (Alijot) sind vorbei, doch hält die Immigration von Menschen aus unterschiedlichen Ländern in kleinerem Maßstab an. 2015 kamen nach Regierungsangaben insgesamt 30.000 Neueinwandernde nach Israel, die höchste Zahl seit 12 Jahren. Vor dem Hintergrund judenfeindlicher Drohungen und Terroranschläge der vergangenen Jahre hat die Zahl von Einwanderungen aus europäischen Ländern deutlich zugenommen.  Israel hat im Jahr 2020 etwa 20.000 neue Einwanderer*innen willkommen geheißen, gegenüber 34.000 in 2019, was auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführen ist. Die meisten Einwanderer kamen aus Russland (38,1%), der Ukraine (15,1%), Frankreich (11,0%) und den Vereinigten Staaten (10,7%).

 

Quellen

 

Integrationspolitik

Am Anfang war die gesellschaftliche Eingliederung der Neueingewanderten (Olim Chadaschim) mit der Vorstellung von der israelischen Gesellschaft als Schmelztiegel verbunden. Die Integration sollte zum „Aufgehen“ unterschiedlicher Sprachen und Kulturen in einer neuen jüdisch-israelischen Nation führen. Dieses Konzept ist im Laufe der Jahrzehnte zugunsten einer Integrationspolitik aufgegeben worden, die unterschiedliche mitgebrachte Kulturen, Traditionen und Religionen achten und bewahren möchte und eine „Einheit in Vielfalt“ zum Ziel hat.

Für den Prozess der Ausbildung und Eingliederung bringt die kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt der eingewanderten Bevölkerungsgruppen große Herausforderungen mit sich. Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund leiden besonders häufig unter Identitätskrisen und schwierigen Familienverhältnissen und haben überdurchschnittlich viele Gewalt- und Drogenprobleme. Ein hoher Prozentsatz bricht die Ausbildung ab. Ein großer Teil der Neueingewanderten siedelt sich – nach einer ersten mehrmonatigen Übergangsphase in Eingliederungszentren (Merkasej Klita) – in so genannten Entwicklungsstädten (Arej Pituach) an der Peripherie des Landes an.

Die größten Schwierigkeiten bei der Integration in die Gesellschaft haben aus Äthiopien eingewanderte Familien. Ein hoher Prozentsatz arbeitet in unqualifizierten Jobs. Alleinerziehende findet man in über einem Drittel der Familien. Nach Zahlen von 2011 leben von ihnen 52 % unterhalb der Armutsgrenze (2/3 der Kinder), 43 % der erwachsenen Frauen und 26 % der Männer (22 bis 64 Jahre) haben keine oder nur eine geringe Schulbildung, 59 % der Jugendlichen bestehen die Abiturprüfung nicht. Die Armutsrate äthiopisch-israelischer Familien liegt mit 39 % sehr hoch. Insgesamt leben 128.900 aus Äthiopien stammende Jüdinnen und Juden in Israel (2014).

Quellen

 

In Kooperation mit dem Ministerium für Erziehung entwickelt das Ministerium für Einwanderung und Integration Förderprogramme für Kinder und Jugendliche, die aus dem Erziehungssystem und der Arbeitswelt herauszufallen drohen. Maßnahmen zur materiellen und finanziellen Unterstützung werden ergänzt durch Bildungsprogramme mit dem Ziel eines Abschlusses ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung. Zahlreiche NGOs und große internationale Organisationen wie Jewish Agency oder Joint Distribution Committee unterstützen diese Bemühungen. Spezielle Ausbildungsprogramme des Ministeriums für Verteidigung richten sich an Soldat*innen mit Migrationshintergrund. Sie können im Rahmen ihres Militärdienstes Sprachkurse besuchen oder ihre Ausbildung vervollständigen.

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Integrationsprogramme

Das in der Verantwortung der Ministerien für Erziehung sowie Einwanderung durchgeführte landesweite Integrationsprogramm Pele (Wunder) richtet sich an Kinder und Jugendliche, deren Eltern vor allem aus Äthiopien, Georgien, dem Kaukasus und der Buchara-Region stammen. In zusätzlichen schulischen Unterrichtsstunden sowie in außerschulischen Erziehungsprogrammen in über 80 örtlichen „Zentren für Kultur, Jugend und Sport“ (hebräisches Kürzel: Matnass, Plural: Matnassim) können Schüler*innen aus Einwanderungsfamilien ihre Lernrückstände aufholen und einen Schulabschluss erlangen.

Ein großes auf mehrere Jahre angelegtes gemeinsames Integrationsprogramm von Regierung, der äthiopisch-israelischen Gemeinde und zahlreichen internationalen jüdischen Organisationen ist das Ethiopian National Project. Die Fördermaßnahmen sind auf Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren konzentriert. Das Projekt bietet in 23 Ortschaften außerschulische Bildungs- und Sozialprojekte an und unterhält 14 Hilfszentren.

Der Verein für Erziehung und soziale Integration von äthiopischen Juden in Israel Fidel unterhält mit Unterstützung lokaler Gemeinden acht Jugendzentren in verschiedenen Landesteilen. In Kooperation mit der Universität Haifa und der pädagogischen Hochschule Beit Berl werden Mediator*innen ausgebildet, die an Schulen Ansprechpersonen von Jugendlichen und von Eltern werden. Der Verein leistet auch Sozialarbeit mit Jugendlichen auf der Straße, die keinen Kontakt mehr zum Elternhaus haben und ihre Schulausbildung oder den Armeedienst abgebrochen haben.

Für Immigrant*innen in Not- und Trauersituationen vermittelt das Zentrum für Unterstützung von Eingewanderten Selah praktische Unterstützung sowie rechtliche Beratung. Dabei wird besondere Rücksicht auf den jeweiligen kulturellen Hintergrund der Betroffenen genommen. Eine Amharisch sprechende Abteilung richtet sich besonders an äthiopisch-israelische Eingewanderte. Für sie stellen die plötzliche Trennung von ihren Familienangehörigen und von der gewohnten Umgebung in Äthiopien sowie der Kulturschock und das Erleben eigener Armut und Ausgrenzung in Israel oft traumatische Erfahrungen dar.

Auch Kinder und Jugendliche in Familien, die aus den USA, Kanada oder Großbritannien eingewandert sind, können Schwierigkeiten haben, sich in die israelische Gesellschaft zu integrieren, weil die beruflichen und sozialen Kontakte oft auf englischsprachige angelsächsische Kreise konzentriert sind. Die Initiative Nefesh B’Nefesh  (Von Mensch zu Mensch) wurde zur Unterstützung dieser Einwanderungsgruppen gegründet und begleitet mit Förderprogrammen und persönlicher Betreuung den Prozess der Einreise nach Israel und der schulischen und gesellschaftlichen Eingliederung.

Links

 

 

Fremdarbeitende und Flüchtende

In Israel leben mehr als eine Viertelmillion so genannter Fremdarbeitende (Owdim Sarim). Sie stammen vor allem aus Rumänien, Thailand und den Philippinen und leben zum Teil bereits seit vielen Jahren im Land. Die meisten besitzen keine offiziellen Papiere. Seit 2001 können die Kinder medizinische Fürsorge in Anspruch nehmen. Kinder und Jugendliche sind schulpflichtig und besuchen staatliche Bildungseinrichtungen.

In Israel hat die Zahl Flüchtender, die aus afrikanischen Ländern stammen, vor allem in den Jahren 2010 bis 2012 stark zugenommen. Kontinuierlich kamen monatlich mehr als tausend auf dem Landweg über die ägyptische Sinai-Halbinsel nach Israel, die meisten aus Eritrea und dem Sudan. Durch den Bau eines massiven Grenzzauns an der Südgrenze 2013 ist diese Migrationsbewegung fast vollständig gestoppt worden. Zurzeit halten sich schätzungsweise 45.000 afrikanische Flüchtende in Israel auf. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen vieler Israelis aus Zeiten der Verfolgung und Flucht wird über ihre Situation und die Frage der Legalisierung ihres Aufenthaltes im Land heftig debattiert. Laut Gallup Migrant Acceptance Index (2017) ist Israel eines der Länder der Welt, in denen Flüchtlingsmigration gesellschaftlich am wenigsten akzeptiert ist. Israel erreicht nur 1,87 von 9 möglichen Punkten und gehört weltweit zu den 8 Ländern am untersten Teil der Skala.

Quellen

Inklusion

Daten und Fakten

In Israel leben 21 % der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Davon haben etwa 910.000 einen unterschiedlichen Grad der Behinderung. Der Anteil von Männern und Frauen ist in etwa gleich. Insgesamt leben in Israel mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen (2017). Die häufigsten Formen der Beeinträchtigung liegen in dieser Bevölkerungsgruppe in den Bereichen: Körperbehinderung (17,5 %), psychische Behinderung (9,2 %), geistige Behinderung (4,2 %), Sehbehinderung (4,2 %), Hörbehinderung (3,7 %), Lernschwäche/Aufmerksamkeitsstörung (2,5 %) und chronische Krankheiten (2,1 %).

Die Zahl der Kinder mit Behinderungen liegt bei etwa 220.000 (8,5 %). In Kindergärten und Schulen lernen 182.000 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen (9 %). Davon besuchten 19 % sonderpädagogische Einrichtungen und 20 % spezielle Klassen einer Regelschule. 61 % sind in reguläre Schulklassen integriert (Schuljahr 2011/12). Etwa 14 % der jungen Erwachsenen im Alter von 23 bis 26 Jahren (60.000) sind Menschen mit Behinderungen. Unter den jungen Erwachsenen, die weder arbeiten noch studieren, beträgt der Anteil etwa 38 %. Nur 10 % von ihnen nehmen an berufsvorbereitenden Förderprogrammen teil.

Quellen

Gesetze und Bestimmungen

Die israelische Regierung hat 2012 die UN-Behindertenrechtskonvention von 2007 ratifiziert. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Gesetze und Richtlinien erlassen sowie entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um mehr Chancengleichheit und Integration zu ermöglichen. Das betrifft zum Beispiel Bereiche wie Erziehung, Infrastruktur, Bauwesen, Versicherungsschutz, Gestaltung öffentlicher Räume, Dienstleitungen, Transportwesen, Medien und Kommunikation. Zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen wurden zu folgenden Themengebieten nationale Gesetze und Bestimmungen verabschiedet:

  • Gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen (1998)
  • Tageszentren für Kinder mit Behinderungen (2000)
  • Rehabilitation von Menschen mit geistigen Behinderungen in der Ortsgemeinde (2000, 2001)
  • Inklusion im Gesetz für Sonderpädagogik (2002)
  • Mindestlohn und Reduzierung von Arbeitszeit (2002)
  • Ermittlungsverfahren und Menschen mit geistiger Beeinträchtigung (2005)
  • Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen (2005)
  • Untertitel und Gebärdensprache im Fernsehen (2005)
  • Staatliche Unterstützung von behindertengerechten Arbeitsplätzen (2006)
  • Rechte von Erwerbstätigen mit Beeinträchtigungen (2007)
  • Rechte von Schüler*innen mit Beeinträchtigungen (2008)
  • Berufstätige mit Beeinträchtigungen und Rentenansprüche (2009)
  • Ausweitung staatlicher Unterstützung für Kinder mit Behinderungen (2012)

Quelle

Inklusionsdebatte

In Israel läuft seit etwa zehn Jahren eine intensive Inklusionsdebattemit grundsätzlicher Kritik an etablierten Einrichtungen speziell für Menschen mit Behinderungen. Nach einer Studie des Joint Distribution Committee von 2014 fließt noch immer der größte Teil staatlicher Fördergelder und privater Zuwendungen in große Einrichtungen wie Sonderschulen und Heime. Der Prozentsatz der Menschen, die in einer speziellen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen wohnen, ist in Israel drei bis vier Mal höher als in den USA oder Westeuropa. Es folgen Links zu Organisationen und Netzwerken von Menschen mit Behinderungen.

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Reformvorschläge zur künftigen Behindertenpolitik in Israel berufen sich auf die UN-Behindertenkonvention von 2007 und fordern mehr Inklusion mit einer entsprechenden Verlagerung staatlicher Mittel und Fördermaßnahmen. Inklusive Lebens-, Lern- und Arbeitsformen sollen intensiver gefördert werden, damit Familien, Gemeinden und Unternehmen Menschen mit Behinderungen in ihr gewohntes Umfeld integrieren können. Dazu braucht es unter anderem eine stärkere Unterstützung der Betroffenen, den Ausbau eines barrierefreien öffentlichen Nahverkehrs, Hilfen bei der Finanzierung eines Fahrzeuges oder von individuellen Betreuungspersonen. Zur Stärkung der Integration in die israelische Gesellschaft gehören auch Möglichkeiten, trotz Behinderung einen Militärdienst oder einen Nationalen Zivilen Dienst ableisten zu können.

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Opfer von Krieg und Terror

In der israelischen Gesellschaft wird der Umgang mit der sozialen und rechtlichen Situation von Menschen mit Behinderungen geprägt durch Menschen, die als Zivilist*innen oder Soldat*innen unter andauernden Folgen von Kriegs- und Terrorangriffen leiden. Spezialisierte Programme und Einrichtungen kümmern sich mit Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen für junge und alten Menschen um die Linderung physischer und psychischer Folgen ihrer Verletzungen.

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Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Strukturen der Jugendsozialarbeit

Über staatliche Programme der Jugendsozialarbeit hinaus, die vor allem vom Ministerium für Erziehung und vom Ministerium für Arbeit, Wohlfahrt und soziale Dienste verantwortet werden, engagiert sich eine Vielzahl unabhängiger israelischer Initiativen, Vereine und Stiftungen in sozialen Projekten zur Hilfe und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Ihre Arbeit wird zu erheblichen Teilen durch private Spenden und Zuwendungen finanziert – oftmals durch jüdische Gemeinden und jüdische Organisationen im Ausland.

Um einen Integrationsprozess in die israelische Gesellschaft und Arbeitswelt zu fördern, leisten Projekte der Jugendsozialarbeit Informations- und Beratungsdienste, bieten sozialpädagogische und psychologische Unterstützung und vermitteln Programme zur schulischen oder beruflichen Weiterbildung. Träger entsprechender Programme sind Schulen und Ausbildungsstätten, Kultureinrichtungen und Jugendzentren, Armee, Jugendbewegungen, Sportvereine, religiöse Gruppen sowie gemeinnützige Vereine und Stiftungen.

Um eine Qualifizierung professioneller Sozialarbeit und um internationale Zusammenarbeit bemüht sich Efschar (Vereinigung zur Förderung der Sozialpädagogik in Israel). Sie ist Mitglied in der International Association of Social Educators.

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Jugenddörfer, Internate und Heime

In der Sozialarbeit mit Jugendlichen aus eingewanderten Familien spielen Einrichtungen der „Jugendeinwanderung“ (Alijat Hanoar) eine wichtige Rolle. Die Programme, von der Abteilung „Internatsausbildung und Jugendeinwanderung“ im Erziehungsministerium verantwortet, unterstützen vor allem Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung, die in sozialen Brennpunkten leben und deren Familien meist aus afrikanischen oder asiatischen Ländern stammen. Die Jugendeinwanderung spielt eine zentrale Rolle in der israelischen Internats- und Heimerziehung. In Kibbuzim, Kinder- und Jugenddörfern sowie Tageszentren ist das Prinzip des Lebens und Arbeitens in Lebensgemeinschaften mit einer engen persönlichen Bindung an Jugendleiter*innen (Madrichim/Madrichot) ein traditionelles zentrales Element der sozialpädagogischen Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen.

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Neben den staatlichen Kinder- und Jugenddörfern ist eine ganztägige oder ganzjährige Unterbringung mit Schulausbildung in Form einer Internatserziehung (Chinuch Pnimiati) möglich. Für religiöse Kinder- und Jugendliche bieten besondere Internate die Möglichkeit des intensiven Studiums religiöser Schriften: Jeschiwot für Jungen sowie Ulpanot für Mädchen. Darüber hinaus stehen geschlossene oder offene Schutzheime (Meonot Chassut) für gefährdete Jugendliche zur Verfügung.

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Jugend in Not

Jugendliche in einer sozialen oder wirtschaftlichen Notlage werden im Hebräischen als Noar B’mezuka (Jugend in Not) bezeichnet. Sie fallen oftmals aus dem etablierten Bildungssystem und der Berufswelt heraus, weil sie weder regelmäßig arbeiten noch eine Schule oder Ausbildungsstätte besuchen. Der hebräische Ausdruck für schuldistanzierte Jugend lautet Noar Menutak (Schulabbrechende). Hauptsächlich betroffen sind Jugendliche aus eingewanderten Familien sowie aus jüdisch-frommen und arabischen Familien.

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Kinderarmut

Unter den 34 Mitgliedsstaaten der OECD hat Israel nach der Türkei die zweithöchste Kinderarmutsrate. Von insgesamt 2,74 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren leben laut Armutsbericht 2015 der Nationalen Sozialversicherung 776.000 in Armut, in der fromm-religiösen jüdischen Bevölkerung (Charedim) sind es sogar zwei Drittel der Kinder. Die landesweite Hilfsorganisation Latet unterstützt mit Nahrungsmittelspenden bedürftige Familien, die aus finanziellen Gründen auf Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Obst weitgehend verzichten, sich ausreichend und gesund zu ernähren. Im Jahr 2013 wurden durch die Organisation etwa 60.000 Familien mit insgesamt mehr als 10.000 Tonnen Nahrungsmitteln unterstützt.

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Vernachlässigung und Missbrauch

Die Zahl bekannt gewordener Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Laut Jahresbericht 2011 des Haruv-Institute (Forschungsinstitut zur Unterstützung für Kinder in Not und ihre Familien) der Hebräischen Universität Jerusalem hat sich die Zahl der als gefährdet zu bezeichneten Kinder mit 344.438 im Vergleich zum Vorjahrzehnt verdoppelt. 47.184 Kinder wurden an Kinderschutzeinrichtungen vermittelt, 33 % wegen Vernachlässigung, 28 % wegen körperlicher Gewalt, 12 % wegen sexuellen Missbrauchs und 8 % wegen seelischer oder psychischer Misshandlung.

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Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

24 % der israelischen Schüler*innen geben an, bereits Opfer physischer Gewalt geworden zu sein. 10 % der Schüler*innen an Grund- und Mittelschulen fühlen sich unsicher und haben Angst, bestimmte Teile des Schulgeländes zu betreten. Gegen häusliche und schulische Gewalt engagieren sich Kinder- und Jugendschutzprogramme regionaler und überregionaler Einrichtungen.

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Jugendkriminalität

Das Erziehungsministerium versucht, Jugendkriminalität durch spezielle Beratungsstellen und Anti-Gewaltprogramme zu begegnen. Bildungs- und Sozialprogramme von Nichtregierungsorganisationen versuchen in den letzten Jahren verstärkt arabische Gemeinden zu erreichen, in den Präventionsprogramme gegen Gewalt und Kriminalität und Polizeiarbeit besonders dringend sind, zum Beispiel mit der Initiative „Safe Communities“. Innerhalb der israelischen Polizei beschäftigt die Jugendabteilung eigene Jugendbeauftragte (Madrichej Noar), die keine Uniformen tragen und eng mit schulischen und sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten. Die Polizeiarbeit möchte Jugendliche aus ihrem kriminellen Umfeld lösen, um Vorstrafen zu vermeiden und Zukunftschancen zu wahren.

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Anti-Drogen-Programme

Die staatliche Nationale Behörde zum Kampf gegen Drogen und Alkohol koordiniert landesweite Anti-Drogenstrategien. Lokale Behörden und Initiativen organisieren Aufklärungskampagnen und unterhalten entsprechende Hilfs- und Beratungsstellen. Für arabische und eingewanderte Jugendliche wird Informations- und Aufklärungsmaterial in Arabisch, Russisch und Amharisch angeboten. Landesweit bekannt wurde das Aktionsprogramm Chalass. Sein Name bedeutet auf Arabisch „Genug“, im Hebräischen stehen die Buchstaben gleichzeitig als Kürzel für das Motto „Leben ohne Drogen“. Dem Ministerium für öffentliche Sicherheit zugeordnet ist eine Behörde zum Kampf gegen Drogen, Gewalt und Alkohol.

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Links zu psychologischen Beratungsstellen in Israel

 

Internationale Jugendarbeit und Mobilität

Zentrale Einrichtungen

Das israelische Außenministerium initiierte 2008 das Gesetz zur Schaffung der Israelischen Behörde für Jugendaustausch (Israel Youth Exchange Authority – IYEA). Die Behörde ist aus dem seit 1972 existierenden „Öffentlichen Rat für Jugendaustausch“ (Israel Youth Exchange Council – IYEC) hervorgegangen. Sie hat die Aufgabe, internationale Jugendbeziehungen mit Israel zu stärken und weiterzuentwickeln, entsprechende Leitlinien zu erarbeiten sowie an Begegnungsprogrammen beteiligte Einrichtungen und Trägerorganisationen zu beraten und zu unterstützen.

Das Direktorium setzt sich zusammen aus Vertreter*innen verschiedener Ministerien (Amt des Ministerpräsidenten, Erziehungsministerium, Finanzministerium, Außenministerium, Tourismusministerium), der Vereinigung der Lokalbehörden, des Rates der Jugendbewegungen und Vertretungen weiterer gesellschaftlicher Gruppierungen.

Eine ständige Vertretung im Direktorium der Israelischen Behörde für Jugendaustausch hat der israelische Rat der Jugendbewegungen (Mo’ezet Tnuot Hanoar, hebräisches Kürzel: Matan). Er unterhält internationale Arbeitsbeziehungen zu nationalen Jugendräten vieler anderer Länder. Mit dem Deutschen Bundesjugendring besteht seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Nähere Informationen zum Rat und zur Arbeit der Jugendbewegungen im Abschnitt: Jugendarbeit – Jugendverbandsarbeit.

Ebenfalls eine ständige Vertretung im Direktorium der Israelischen Behörde für Jugendaustausch hat die Vereinigung der Lokalbehörden in Israel (Merkas Haschilton Hamekomi B’israel), die Dachorganisation aller Städte- und Gemeindeverwaltungen des Landes. Ihre Abteilung für internationale Beziehungen vermittelt Begegnungs- und Austauschprogramme und führt eigene bi- und internationalen Maßnahmen durch. Die Abteilung kümmert sich auch um die Vermittlung internationaler Kontakte zu Dörfern, Moschawim und Kibbuzim der israelischen Landkreise.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Besondere Beziehungen

In den ersten Jahren nach Ende der NS-Herrschaft mit der Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas waren Besuche von deutschen Gruppen in Israel nicht selbstverständlich und heftig umstritten. Noch 1958 und 1962 beschloss das israelische Parlament (Knesset), bis auf weiteres keine offiziellen israelischen Delegationen nach Deutschland zu entsenden. Deutschsprachige Israelis (Jeckes), oft Überlebende der Schoa, wurden die ersten Brückenbauer*innen. Sie machten den Beginn besonders belasteter aber auch besonders intensiver Begegnungen möglich.

Erst 1965 konnten zwischen beiden Staaten diplomatische Beziehungen aufgenommen werden. 2015 war ein doppeltes Jubiläumsjahr: 50 Jahre diplomatische Beziehungen und gleichzeitig 60 Jahre Jugendaustausch zwischen Deutschland und Israel. Die Zusammenarbeit war allerdings bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) beschränkt; von Seiten der Deutschen Demokratischen Republik ist es nie zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel gekommen.

Quelle

Gemischter Fachausschuss

Mit der Etablierung eines interministeriellen Ausschusses und der Gründung einer „Gemeinsamen Fachkommission“ für den deutsch-israelischen Jugendaustausch fand der deutsch-israelische Austausch ab 1969 auch in institutionalisierter Form statt. Seit der Einrichtung des Gemischten Fachausschusses für den deutsch-israelischen Jugendaustausch 1973 werden regelmäßig für beide Seiten verbindliche Absprachen getroffen, die in den Gemeinsamen Bestimmungen für die Durchführung und Förderung des deutsch-israelischen Jugendaustausches festgehalten werden. Der deutsch-israelische Fachausschuss trifft sich jährlich wechselnd in Israel und in Deutschland. Über Austausch- und Begegnungsprogramme hinaus werden auch Sonderprogramme für Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie Multiplikator*innen zu wichtigen aktuellen Themen vereinbart.

ConAct

Zentrale Institution und deutsches Pendant zur Israel Youth Exchange Authority in Deutschland ist das 2001 gegründete ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch. Die Einrichtung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird von den Ländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt und arbeitet in Trägerschaft der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. Das Service- und Informationszentrum unterstützt bestehende Projekte und regt zu neuen an durch Beratung zur Planung und Finanzierung, Bereitstellung von Länderinformationen, Vernetzung von Engagierten sowie Initiativen zur Weiterentwicklung des Jugendaustausches zwischen Deutschland und Israel. ConAct verwaltet die „Sondermittel Deutschland–Israel“ im „Kinder- und Jugendplan“ (KJP) des Bundes. Jährlich werden rund 300 Projekte der außerschulischen Bildungs- und Austauscharbeit finanziell und pädagogisch unterstützt.
 

 

Deutsch-Israelisches Jugendwerk

Auf den Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen am 4.10.2018 in Jerusalem haben die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey und der israelische Erziehungsminister Naftali Bennett die Einrichtung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerkes verabredet. Die bestehenden Arbeitsstrukturen von ConAct und Israel Youth Exchange Authority IYEA sollen in das neue Jugendwerk integriert, staatliche Fördermittel verstärkt und die Begleitung der bilateralen Begegnungsprogramme intensiviert werden.
 

Deutsch-Israelisches Zukunftsforum

Das Deutsch-Israelische Zukunftsforum wurde 2007 als Stiftung bürgerlichen Rechts durch die Bundesrepublik Deutschland und den Staat Israel gegründet und nahm im Februar 2009 seine Arbeit auf. Die Idee dazu hatten der deutsche Bundespräsident und der israelische Staatspräsident im Jahr 2005 anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern entwickelt. Das DIZF fördert deutsch-israelische Projekte, die verstärkt junge Erwachsene in bilaterale Programme und gemeinsame Netzwerke einbeziehen. Dazu gehören der Schul-, Jugend und Fachkräfteaustausch und Projekte in den Bereichen Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Seit 2017 verleiht das DIZ jährlich den „Shimon-Peres-Preis“ an junge deutsche und israelische Fach- und Führungskräfte, die sich um deutsch-israelische Beziehungen besonders verdient gemacht haben.

Deutsch-Israelischer Freiwilligendienst

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen hat Bundesjugendministerin Manuela Schwesig 2015 den Start des neuen Austauschprogramms Deutsch-Israelischer Freiwilligendienst verkündet. Menschen aus Deutschland und Israel im Alter von 18 bis 27 Jahren können sechs bis zwölf Monate lang in pflegerischen, sozialen, ökologischen, kulturellen und sportlichen Institutionen des jeweiligen Partnerlandes tätig werden. Das Programm, eine Kooperation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des israelischen Ministeriums für Wohlfahrt und Soziales, soll dazu beitragen, die Anzahl israelischer Freiwilliger in Deutschland zu steigern. Anlaufstelle für Interessierte ist die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), die auch mit der Durchführung der pädagogischen Begleitseminare der Freiwilligen beauftragt ist.

Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Zionistische Partnerorganisationen

In Israel ist internationale Jugendarbeit überwiegend zionistisch ausgerichtet. Sie zielt schwerpunktmäßig auf Kooperationen mit jüdischen Gemeinden, Einrichtungen und Organisationen in anderen Ländern. Die Arbeit geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Jewish Agency und der Jugend- und Pionierabteilung der World Zionist Organization. In den Führungsgremien beider Organisationen, deren politische und finanzielle Unterstützung in vielen sozialen und gesellschaftspolitischen Programmen eine tragende Rolle spielt, nehmen israelische Politikerinnen und Politiker traditionell Schlüsselfunktionen wahr. Auch die Women’s International Zionist Organization (WIZO) und das American Jewish Joint Distribution Committee (Joint) unterstützen stark die Jugendarbeit.

Im Erziehungsbereich ausgebildete Israelis oder israelische Freiwillige arbeiten oft in jüdischen Begegnungs- und Bildungseinrichtungen des Auslandes. Umgekehrt kommen aus vielen Ländern der Welt jüdische Jugendliche oder Fachkräfte der Jugendarbeit für mehrere Wochen oder Monate nach Israel, um sich intensiv mit jüdischer Geschichte, ihrer Religion und ihrem Verhältnis zu Israel auseinanderzusetzen. Die Erziehungsarbeit wird von israelischen Universitäten unterstützt, zum Beispiel durch das Melton Centre for Jewish Education in the Diaspora[BK5]  an der Hebräischen Universität Jerusalem. Vergleichbare Institute arbeiten an der Universität Tel Aviv und an der Bar-Ilan-Universität.

Diese internationale orientierte Jugendarbeit zielt auf individuelle und kollektive Stärkung jüdischer und zionistischer Identität sowie auf eine Intensivierung der Bildungs- und Erziehungsarbeit im jeweiligen Heimatland und eine Förderung der Jugendeinwanderung (Alijat Hanoar) nach Israel. Bekannt sind die Begegnungsprogramme von Birthright (Taglit), die in Deutschland vom Zentralrat der Juden organisiert werden, Birthright Excel und  Masa Israel sowie die jährlichen internationalen Gedenkstättenfahrten nach Polen March of the Living (Mizad Hechajim) oder das Freiwilligenprogramm Machal der israelischen Armee (hebräisches Kürzel für Mitnatwei Chuz L’arez – Freiwillige aus dem Ausland).

Das Begegnungsprogramm Gescher Lemanhigut (Bridge to Leadership) organsiert den Erfahrungsaustausch junger israelischer Führungskräfte mit jüdischen Gemeinden in aller Welt. Die Programme werden vom israelischen Ministerium für Diaspora (Misrad Hatfuzot) unterstützt.
 

VOIS - Internationale Freiwilligendienste

Im Rahmen des Programms VOIS (Volunteer in Israel), angesiedelt im Ministerium für Arbeit, Wohlfahrt und Soziales, können jährlich ca. 1.000 Teilnehmende aus etwa 50 Ländern einen 6- bis 12-monatigen Freiwilligendienst in israelischen Sozialprojekten leisten. In sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Wohnheimen, Berufszentren, Notunterkünften und Gemeindezentren helfen sie Kindern und Erwachsenen mit körperlichen und kognitiven Behinderungen, gefährdeten Jugendlichen, älteren Menschen oder Schoa-Überlebenden. Das Programm richtet sich an Erwachsene, die ein Auszeitjahr nehmen, Studierende, die Erfahrung im Bereich der sozialen Dienste suchen, Rentner, Paare und andere, die Interesse daran haben, Israel zu erleben und gleichzeitig etwas zu bewirken.

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Asien – Afrika – Südamerika

Israelische Regierungsstellen verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in Bezug auf gemeinsame Projekte mit sich entwickelnden Ländern in Asien, Afrika und Südamerika. Eine zentrale Rolle dabei spielt die 1958 eingerichtete Abteilung Maschav im israelischen Außenministerium (hebräisches Kürzel für: Machlaka L’schituf Pe’ula Bejnle’umi – Abteilung für internationale Kooperation). Neben politischer, wirtschaftlicher und militärischer Zusammenarbeit wird großes Gewicht auf soziale und erzieherische Aspekte der Beziehungen gelegt. Landwirtschaftliche Programme bilden den Schwerpunkt der Entwicklungspolitik, an zweiter Stelle folgen jugendpolitische Programme zur Erziehung und Ausbildungsförderung, an dritter Stelle Maßnahmen zur Gesundheitsförderung.

Zur traditionellen Außenpolitik Israels gehört die Förderung von Jugendorganisationen in sich entwickelnden Ländern. Parallel zur wirtschaftlichen Förderung des Landes werden erzieherische und soziale Programme entwickelt. Mit israelischer Hilfe sind in den vergangenen Jahrzehnten in mehr als 30 Staaten nationale Jugendorganisationen gegründet, Jugendzentren aufgebaut und Programme zur Ausbildung von Jugendleiterinnen und Jugendleitern organisiert worden. In Israel entwickelte erzieherische und soziale Programme sollen vor allem Mädchen und Frauen ansprechen. Durch einen Ausbau der Erziehungs- und Ausbildungssysteme sollen in den Ländern demokratische Strukturen gefördert werden.

 

Vereinte Nationen

Jahrzehntelang haben israelfeindliche Staaten die Mitarbeit und Integration israelischer Expert*innen in internationalen Organisationen und UN-Gremien erschwert. 2006 wurde mit Mazal Ranford vom Mount Carmel International Training Center (MCTC) in Haifa erstmals eine israelische Staatsbürgerin für ein wichtiges Amt in einer zentralen UN-Organisation ausgewählt. Heute unterhalten Fachkräfte aus der israelischen Jugendarbeit innerhalb internationaler Gremien intensive Arbeitskontakte und regelmäßigen Austausch mit Pädagog*innen und Institutionen anderer Länder.

Dazu gehört über 6 Jahrzehnte lang die Mitarbeit in der UNESCO, in der Israel seit 1949 bis Ende 2018 Mitgliedsstaat war, mit einer Nationalen israelischen Kommission für die UNESCO (Hawa‘ad Haisraeli L’unesko) und dem jeweiligen Erziehungsminister als Präsident. In der Jugendabteilung der UNESCO wurden internationale Förderprogramme für Jugendliche erarbeitet, Netzwerke mit assoziierten NGO-Verbänden aus der Lebens- und Arbeitswelt Jugendlicher geknüpft und beispielhafte Jugendprogramme und Veranstaltungen unterstützt.

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In den Jahren 2020/2021 wurden internationale Jugendprogramme durch die weltweite Covid-19-Epidemie stark beeinträchtigt. Massive Beschränkungen und Stornierungen von Projekten führten jedoch auch zu einem intensiven Austausch über die Auswirkungen der Krise und zur Entwicklung neuer virtueller oder hybrider Begegnungsprojekte.

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Mobilität

Auslandsreisen

Israelische Jugendliche träumen von individuellen langen Reisen in ferne Länder. Der Begriff Chul (hebräische Abkürzung für Chuz L’arez – außerhalb des Landes) hat für viele einen magischen Klang. In einem Staat, der sich seit seiner Gründung 1948 mit umliegenden arabischen Ländern im Kriegszustand befindet, haben Auslandsreisen eine besondere Bedeutung. Sie bieten Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen und die Welt außerhalb des kleinen Israels kennen zu lernen. Ein jährlich wiederkehrendes typisches Phänomen in den israelischen Ferien ist die Ausreise von Hunderttausenden, um eine gewisse Zeit außerhalb des Landes zu verbringen und Erholung und Ablenkung zu finden.

Fast rituellen Charakter haben die zeitlich und geografisch ausgedehnten Auslandsaufenthalte junger Israelinnen und Israelis nach Abschluss ihrer mehrjährigen Armeezeit. Israelische Rucksack-Reisende, Backpackers (hebräisch: Tarmila’im), sind überall in der Welt anzutreffen. Nach einer anstrengenden und oft gefährlichen Zeit beim Militär suchen sie Erholung, Selbstfindung und die Rückkehr ins zivile Leben. Als besonders beliebte Reiseziele gelten Indien, Tibet und Südamerika. Junge israelische Reisende werden im Ausland sehr unterschiedlich wahrgenommen, interessiertes und kommunikatives Auftreten findet viele Sympathien, bisweilen wird jedoch auch rüpelhaftes und lautes Verhalten kritisiert.

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Familienspurensuche

Die israelische Gesellschaft ist eine Einwanderungsgesellschaft, deren Bevölkerung sich aus Nachkommen von aus mehr als 80 verschiedenen Ländern eingewanderten Familien zusammensetzt. Reisen in die Länder der eigenen Vorfahren haben daher oft einen besonderen biografischen Aspekt und können zu intensiven Begegnungen mit den eigenen Wurzeln (Schoraschim) werden. Oft nutzen israelische Jugendliche Auslandsaufenthalte zum Besuch von Geburtsort und Lebensstationen ihrer Großeltern und Urgroßeltern, um dort Spuren der eigenen Familiengeschichte nachzugehen.

In Europa sind dies meist Spuren einer durch die nationalsozialistische Judenverfolgung vernichteten Welt. Viele Jugendliche nehmen an speziell organisierten Fahrten zu Gedenkstätten oder zu Orten teil, die ehemals Zentren jüdischen Lebens in Europa waren. Solche Reisen, vor allem nach Polen, Tschechien und in die baltischen Staaten, werden zum Teil als schulische Veranstaltungen durch das Erziehungsministerium unterstützt. Auf Grund schmerzhafter Erinnerungen können sich allerdings auch gegenteilige Reaktionen zeigen, dass nämlich Jugendliche es grundsätzlich ablehnen, künftig in Länder der Verfolgung und Ermordung ihrer Familien zu reisen.

EU-Begegnungsprogramme

Im Rahmen des 2000 eingerichteten Euro-Med-Jugendprogramms der Europäischen Union können sich Anrainer-Staaten des Mittelmeers, die nicht Mitglieder der EU sind, als so genannte Drittländer an multilateralen Begegnungen des Aktionsprogramms Jugend für Europa beteiligen. Dies trifft auch für Israel zu. Die Programme von Jugend für Europa richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren und wollen dazu beitragen, internationale Kooperationen und Mobilität im Bereich der Jugendarbeit zu initiieren und zu fördern.

Israel ist Partner im neuen EU-Jugendaustauschprogramm Erasmus+ (2014 bis 2020) für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Es will mehr grenzüberschreitende Bildungsangebote für Schüler*innen und Lehrkräfte, Studierende, Auszubildende und junge Erwachsene ermöglichen und vereint verschiedene bisherigen EU-Austauschprogramme. Die Europäische Union stellt für den europaweiten Jugendaustausch bis 2020 rund 15 Milliarden Euro zur Verfügung. Interessierte in Israel können sich über das Programm auf der Homepage des Rates für Höhere Bildung (Hamo’aza L’Haskala Gwoa) informieren.

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