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„Jeckes-Museum“ in Haifa wiedereröffnet

Text: Cyra Sommer

„Jeckes“ – so wurden und werden die deutschen Jüdinnen und Juden in Israel genannt, die in den 1930er Jahren aus Deutschland ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina geflohen waren. Der Begriff geht vermutlich auf die Jacketts zurück, die die aus Europa kommenden Immigrant*innen trotz Hitze auch in der neuen Heimat trugen. Lange Zeit ein Spottname, ist der Begriff heute eine liebevolle und stolze Selbstbezeichnung einer Community, die inzwischen mehrere Generationen umfasst. Er steht für ein bedeutendes Kulturerbe und eine wechselvolle Geschichte zwischen Europa und Israel, die von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, von Beheimatung und Heimatverlust, von Brüchen und Neuanfängen erzählt. Den Jeckes und ihren Biografien widmet sich nun ein neuer Museumsflügel des Hecht-Museums auf dem Campus der Universität Haifa in Israel. 

Die Geschichte des Museums reicht weit zurück und begann bereits Anfang der 1970er Jahre im nordisraelischen Nahariya mit der Initiative von Israel Shiloni – selbst ein Jecke, der 1901 als Hans Herbert Hammerstein in Berlin geboren wurde und der vor den Nazis erst nach England und dann nach Palästina geflohen war. Der langjährige Lehrer Shiloni wollte mit dem Museum die Leistungen deutscher Juden und Jüdinnen würdigen und ihren Beitrag zur deutschen Gesellschaft bis zum Aufstieg des Nationalsozialismus aufzeigen. Damit richtete er sich nicht zuletzt an junge Deutsche, die er ab den späten 1960er Jahren in seinem Haus in Nahariya und im Museum empfing und denen er die deutsch-jüdische Geschichte mit persönlichen Anekdoten näherbrachte.

Das Museum wurde in den 1990er Jahren schließlich Teil eines größeren Museumskomplexes im Industriepark Tefen, wo es bis zu seiner Schließung 2021 als Kultur- und Begegnungszentrum Geschichte und Gegenwart der Jeckes miteinander verband. Nach Jahren der Ungewissheit und fehlender Finanzierung ist steht das Museum nun in Haifa auf neuen Füßen. Hier kann es in Zukunft auch für Gruppen aus dem deutsch-israelischen Austausch (wieder) ein Anlaufpunkt sein – eignet sich doch die Geschichte der deutschsprachigen Israelis wie kaum ein anderes Thema, um sich mit den Verflechtungen deutscher, deutsch-jüdischer und israelischer Geschichte und Gegenwart auseinanderzusetzen.

 

Weitere Informationen zum Museum

 

Im Museum befindet sich zudem das Archive for German-speaking Jewry in Israel (AGSJI), das nun zum Haifa Center for German & European Studies gehört. Es bewahrt zahlreiche Nachlässe deutsch-jüdischer Familien aus vielen verschiedenen Orten Deutschlands und deutschsprachiger Regionen Zentraleuropas und steht Wissenschaftler*innen sowie interessierten Besucher*innen und Gruppen nach Voranmeldung offen: AGSJI@univ.haifa.ac.il 

Foto: Cyra Sommer
Eingangsbereich der Ausstellung. Der Begriff „Jecke“ geht möglicherweise auf die Jacketts zurück, die die Einwander*innen aus Zentraleuropa trugen. Foto: Cyra Sommer
Gutbürgerliche Einrichtungen wanderten – sofern möglich – mit in die neue(n) Heimat(en) deutsch-jüdischer Emigrant*innen aus. Foto: Cyra Sommer
Die Ausstellung beleuchtet auch das Engagement deutscher Jüdinnen und Juden in verschiedenen Jugendbewegungen, die vielfach in Europa entstanden sind und die in Israel bis heute eine große Rolle spielen. Foto: Cyra Sommer