Für ein paar Tage den Krieg vergessen – Israelische Jugendliche erlebten Auszeit in Grimma Stadt Grimma und Kibbuz Magen

Wanderung der die Sächsische Schweiz
Bring them home now!
Gemeinsame Shabbatfeier in Grimma

„Gibt es dort auch Schutzräume?“ – Das war die erste Frage, die die jungen Israelis aus dem Kibbuz Magen stellten, als sie von der Idee einer Reise nach Deutschland hörten. Eine friedliche Ferienwoche ohne das Dröhnen von Helikoptern und Detonationen, dafür mit Vogelgezwitscher, Spaß und schönen Erlebnissen erwartete sie im Sommer 2024 im sächsischen Grimma. Eingeladen hatte sie die Stadtverwaltung. „Der 7. Oktober hat uns sehr betroffen gemacht, durch unsere Partnerstadt haben wir ein besonderes Verhältnis zu Israel“, sagte Oberbürgermeister Matthias Berger. Tatkräftig unterstützt wurde das Projekt vom Partnerschaftskomitee Grimma-Gezer, durch Silke Polster von der Diakonie Leipziger Land und durch zahlreiche engagierte Ehrenamtliche. 

Den Alltag vergessen. Gemeinsam stellten sie ein vielfältiges Programm für die Jugendlichen auf die Beine: mit Ausflügen in einen Freizeitpark, zum Schloss Döben, nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, mit einer Schlauchboot-Tour auf der Mulde, einem Empfang im Grimmaer Rathaus, Begegnungsabenden und einer Schabbat-Feier mit vielen Interessierten. 

Der 7. Oktober. Im Anschluss an die Zeremonie schilderte eine der mitgereisten Mütter im Anschluss die Situation im Kibbuz Magen, das von den Angriffen der Hamas am 7. Oktober unmittelbar betroffen war, sich jedoch verteidigen konnte. Nach dem ungewöhnlich heftigen Raketenangriff konnten Sicherheitskräfte des Kibbuz vom Hügel aus sehen, was aus dem nahegelegenen Gazastreifen auf sie zukam: „3.500 Terroristen waren überall gleichzeitig, auf allen Hauptstraßen, auf dem Weg in alle umliegenden Ortschaften. Sie hatten den Zaun unseres Kibbuz gesprengt und versuchten, in unsere Häuser einzudringen.“ Die Sicherheitskräfte, von denen zwei ihr Leben ließen, verteidigten den Kibbuz über viele Stunden hinweg so gut sie konnten, bis schließlich das Militär eintraf. Zwei Tage später wurden die Bewohner*innen des Kibbuz vorübergehend ans Tote Meer evakuiert. In der Schule treffen die Jugendlichen des Kibbuz Magen auf Schülerinnen und Schüler aus den benachbarten Kibbuzim Nir Oz und Be’eri, die noch stärker vom 7. Oktober betroffen waren. Unter den Ermordeten und Entführten sind viele ihrer Klassenkamerad*innen, Freund*innen, Bekannten und Verwandten. 

Zurück in ein normales Leben. „Wir sind froh, dass wir überlebt haben und bauen nun gemeinsam die Zukunft unserer Gemeinschaft auf“, sagt Liraz. Der kurze Urlaub in Grimma war ein kleiner Meilenstein auf dem Weg vom Trauma des 7. Oktober zurück in ein normales Leben. „Sie fangen wieder an zu streiten“, sagten die mitgereisten Eltern erleichtert. Eine Mutter aus Israel brachte nach der Reise ihren Dank zum Ausdruck: „Ich denke, es war eine der wichtigsten Erfahrungen, die die Jugendlichen bisher gemacht haben. Ihr habt sie in die Arme genommen und sie so fest umarmt. Die Familien, die zu Hause geblieben sind, haben diese Umarmung auf den Bildern und Videos gesehen und ihre Wärme gespürt. Ihr habt dieser Gruppe wunderbarer junger Menschen für ein paar Tage ermöglicht, den Krieg, ihre Not und ihren Kampf zu vergessen – und das ist so bedeutungsvoll. Ein einfaches Dankeschön reicht nicht aus, um auszudrücken, was wir fühlen.“

Verbindung schaffen. Das Treffen tat auch den Jugendlichen aus Grimma gut, die die ganze Woche über dabei waren und neue Kontakte knüpften. „Unsere eigenen Probleme erscheinen uns kleiner, wenn wir mit euch zusammen sind“, sagt Matthias Berger. „Die persönlichen Begegnungen und Geschichten helfen, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu entwickeln“, sagt Silke Polster. Bei einer Begegnung soll es nicht bleiben. Die Idee, Israelis eine Auszeit zu ermöglichen und Begegnungen in Deutschland zu schaffen, fand Anklang und verbreitet sich. So kamen Interessierte aus Saalfeld, Torgau und Weimar nach Grimma, um sich inspirieren zu lassen und weitere Begegnungsprojekte ins Auge zu fassen. 

Projektvorstellung: Silke Polster, Diakonie Leipziger Land