Meine Welt trifft deine

Die Stadt Jerusalem lädt Partner aus Deutschland zu digitalem Austauschprojekt

Stornierte Flüge, geschlossene Grenzen, Ausnahmezustand. Ohne Vorwarnung hat die Corona-Pandemie physische Begegnungen über Ländergrenzen hinweg für einen unbestimmten Zeitraum in weite Ferne gerückt. Auch in Jerusalem – einer Stadt, die von Austausch und ständiger Bewegung lebt – kam in der Stadtverwaltung bald die Frage auf, wie Begegnung zwischen jungen Menschen auch in neuen, digitalen Räumen erlebbar werden könne.

Innovation statt Stillstand. Mit einem Team aus Pädagog*innen, Technikexpert*innen und Grafiker*innen hat die Stadtverwaltung Jerusalems ein digitales Programm entwickelt, das junge Menschen aus Deutschland und Israel zum Zuhören, Diskutieren und Reflektieren einladen will.
Im Laufe von sechs Treffen sollen die Teilnehmer*innen Gelegenheit finden, Jerusalem aus unterschiedlichen Perspektiven zu erkunden und nicht nur die Gruppe, sondern auch sich selbst besser kennenzulernen.
Um die Treffen möglichst abwechslungsreich und spannend zu gestalten, wird auf eine Vielzahl interaktiver Tools und Möglichkeiten zurückgegriffen: So reicht das Angebot von einer Stadtführung mit VR-Brillen über ein digitales Escape Game bis hin zu einer virtuellen Führung durch eine Holocaustgedenkstätte.
Insgesamt 30 Teilnehmer*innen können pro Durchlauf an dem Programm teilnehmen, das sich an Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren richtet.

Einleitung, Hauptteil, Schluss. Jede Einheit ist in ihren Grundzügen identisch aufgebaut: Die ersten fünfzehn Minuten des Treffens bieten Zeit für ein kurzes Warm-up und eine Einführung in das Thema des Tages. Zwischen einer bis anderthalb Stunden stehen den Jugendlichen im Hauptteil zur Verfügung, um sich kreativ und interaktiv mit dem jeweiligen Baustein auseinanderzusetzen. Schließlich bleiben weitere fünfzehn Minuten, um für eine Schlussrunde zusammenzukommen und das Erlebte gemeinsam zu reflektieren. Die Teilnehmer*innen haben nach jeder Session die Möglichkeit, ihre Gedanken und Impulse auf sozialen Plattformen wie Facebook und Instagram miteinander zu teilen. Neben den sechs Treffen mit der gesamten Gruppe sind die Jugendlichen außerdem dazu eingeladen, ihre Eindrücke in bilateralen Partnerarbeiten kreativ zu verarbeiten und das Ergebnis am Ende des Austauschprojekts in der großen Runde vorzustellen. 

Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Der erste Teil der Begegnung beginnt mit einem Blick auf die eigene Identität und dient dem Kennenlernen. Was macht mich aus? Wo komme ich her und was möchte ich den anderen von mir erzählen? Neben einem Selfie, das die Jugendlichen von sich hochladen können, besteht die Möglichkeit, einige Zeilen über sich zu verfassen und diese mit den anderen zu teilen. Ein erster Schritt, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die heilige Stadt. Das zweite Aufeinandertreffen führt die Jugendlichen auf digitalen Wegen nach Jerusalem. In einer virtuellen Stadtführung lernen sie unterschiedliche Perspektiven auf die geschichtsträchtige Stadt kennen und haben die Möglichkeit, viele neue Orte zu entdecken. Gibt es etwas, das sie bereits mit der Stadt verbindet? Ein Blick auf die unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten und die Geschichte der Stadt lädt dazu ein, über die eigene Beziehung zu Jerusalem nachzudenken.

Die Vergangenheit und unsere Verantwortung, an sie zu erinnern. Der dritte Teil widmet sich der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der daraus folgenden Verantwortung für heutige Generationen. Bei einem digitalen Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte  werden aus Zahlen Menschen mit Namen, Gesichtern und Geschichten.Mein Land und dein Land. Was verbindet Deutschland und Israel miteinander? Wie lassen sich die Beziehungen stärken und welche Rolle spielen die Jugendlichen dabei? Nach einer kurzen Einführung in die historischen, kulturellen und sozialen Beziehungen der Länder bleibt beim vierten Treffen Zeit, um über diese Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wie hältst du's mit der Religion? Im fünften Teil wird die kulturelle und religiöse Vielfalt Israels in den Vordergrund gerückt. Bei einem virtuellen Escape Game lernen die Jugendlichen die unterschiedlichen religiösen Strömungen und kulturellen Gruppen des Landes kennen. Gibt es einen Ort auf der religiösen Landkarte, an dem sich die Jugendlichen selbst verorten würden?  Auch hier bleibt Platz für Reflexion über die eigene Prägung und Geschichte.

Online Inspiration

Beispiele „Guter Praxis“ von Online-Austauschprojekten

Haben Sie im vergangenen Jahr ein Austauschprojekt geplant, das aufgrund der Covid-Pandemie verändert oder gar abgesagt werden musste? Suchen Sie nach Möglichkeiten und Inspiration, um junge Menschen online zusammenzubringen? 

ConAct freut sich, Ihnen herausragende und inspirierende Projekte aus Deutschland und Israel vorstellen zu können, die bewiesen haben, dass digitale Begegnungen nicht nur eine „Notlösung" sein müssen! Ganz im Gegenteil: Die Projekte zeigen vielfältige Möglichkeiten und kreative Ideen, um junge Menschen digital über Grenzen hinweg miteinander zu verbinden.

Zu guter Letzt: Das Abschlussprojekt. Im Laufe des Projekts kommen die Jugendlichen immer wieder in Zweiergruppen zusammen, um sich miteinander auszutauschen und ihre Eindrücke und Gedanken in einem kreativ gestalteten Projekt zum Ausdruck zu bringen. Bevor die Teilnehmer*innen nach einer ereignisreichen Zeit Abschied voneinander nehmen, haben sie in der letzten Sitzung die Möglichkeit, sich die Ergebnisse der Partnerarbeit gegenseitig vorzustellen.

Das Ziel: Verständnis und Toleranz. Die Perspektiven und Themen der digitalen Begegnungsreihe sind vielfältig. Sie sollen dazu beitragen, das Verständnis zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen zu fördern. Die Veranstalter*innen hoffen, dass die Kontakte und Verbindungen zwischen den Jugendlichen aus Deutschland und Israel auch nach dem Ende des Projekts bestehen bleiben und ausgebaut werden. Trotz der tausenden Kilometer, die die Jugendlichen voneinander trennen, soll im Rahmen des Projekts ein Raum für kreative Ideen entstehen, der fruchtbare Blüten hervorbringt.

Und nach der Pandemie? Auch für die Zukunft nach Corona ist geplant, das digitale Projekt fortzusetzen und weiter auszubauen. So ist die Organisatorin Merav David von der Jerusalemer Stadtverwaltung davon überzeugt, dass sich das Angebot gut als bereichernde Ergänzung eignet, die sich mit den physischen Veranstaltungen kombinieren lässt.
Bereits 12 Partnerorganisationen aus Deutschland haben sich für das Programm angemeldet. Ihnen bieten die neuen digitalen Wege eine gute Gelegenheit, um die seit bereits über dreißig Jahren bestehenden Partnerschaften neu zu denken und weitere Wege der Vernetzung zu entdecken.


Teilen Sie ihre Erfahrung mit uns!

Haben Sie auch Erfahrungen damit gemacht, Ihre deutsch-israelische Jugendbegegnung in den digitalen Raum zu bringen? Teilen Sie sie mit uns! In den kommenden Monaten werden wir Good-Practice-Beispiele von digitalen Austauschprojekten aus Deutschland und Israel veröffentlichen, sodass wir uns gegenseitig inspirieren können. Wenn Sie Ihre Begegnung vorstellen möchten, füllen Sie unseren Fragebogen aus oder kontaktieren Sie Niclas Cares oder Rinat Avigur.