Gemeinsam Erinnern, Brücken bauen Methoden, die fragen, was die Geschichte der Shoah heute für Jugendliche bedeuten kann

Die gemeinsame Erinnerung an den Holocaust ist ein Kernstück des Austausches. Welche Bedeutung hat die Geschichte für junge Menschen in Deutschland und Israel? Diese Methoden eignen sich als Startpunkte.

1. Methode: Ein ganz normaler Tag

Diese Methode sensibilisiert für die Auswirkungen der antijüdischen Gesetzgebung in Nazi-Deutschland auf den Alltag jüdischer Menschen. Die Teilnehmenden setzen sich mit der Vorstellung von Gesetzen als verbindlichen Normen auseinander und übertragen diese auf einen fiktiven Tagesablauf. Ziel ist es, zu verstehen, wie rechtliche Regelungen Diskriminierung und Ausgrenzung strukturell verankern können.

Quelle: Praxishandbuch für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch Band II, Kap. III, Nr. 13

2. Methode: Fluss des Lebens

Diese Methode ermöglicht eine kreative Auseinandersetzung mit Geschichte und der eigenen Biographie. Die Teilnehmenden visualisieren persönliche Erfahrungen, Wissen und Erinnerungen und machen deren Vielfalt innerhalb der Gruppe sichtbar. Ziel ist es, Geschichte als Teil individueller und gemeinsamer Erinnerung zu verstehen und unterschiedliche Perspektiven nachvollziehbar zu machen.

Quelle: Praxishandbuch für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch Band II, Kap. III, Nr. 12

3. Methode: Vergangenes vergangen sein lassen? Über die Bedeutung der Geschichte für unsere Gegenwart

Diese Methode eignet sich als Einstieg in die Beschäftigung mit sekundärem Antisemitismus. Anhand von verschiedenen Zitaten diskutieren sie über die Bedeutung der Geschichte von Nationalsozialismus und Shoah für die Gegenwart und werden angeregt, eine eigene Position dazu zu formulieren.

Quelle: Bildung in Deutschland – Begegnung mit Israel(2025), S. 106–111, Nr. 10

4. Methode: Historische Spurensuche

Diese Methode ermöglicht Jugendlichen einen partizipativen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoah durch das Erkennen historischer Spuren in Orten und Biografien. Ziel ist es, Geschichte als vielschichtiges Narrativ zu verstehen und unterschiedliche Erinnerungsperspektiven sichtbar zu machen.

Quelle: Praxishandbuch für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch Band II, Kap. III, Nr. 15

Zum Weiterlesen

Nicht für Deutsche...? Yad Vashem als Ort und Wirklichkeit (2022)

Der Deutschlandfunk stellt Georg Rösslers Buch “Nicht für Deutsche...? Yad Vashem als Ort und Wirklichkeit” vor (Text und Audio, 10 Minuten, 2022).

Israel and the Holocaust

Avinoam Patt ist Professor für Jüdische Studien und präsentiert auf Englisch sein Buch “Israel and the Holocaust” (Video, 70 Minuten, 2024).

People Love Dead Jews

Relevant ist auch der englische Essayband People Love Dead Jews von Dara Horn, den Philipp Lenhard hier in der taz besprochen hat (Text, 2023).

Zikaron BaSalon (“Gedenken im Wohnzimmer”)

Verwiesen sei auch auf die neue Initiative Zikaron BaSalon (“Gedenken im Wohnzimmer”), deren Homepage noch weitere englische Quellen versammelt.