ConAct-News

Antisemitismus im Kontext von Israel und Nahostkonflikt begegnen

ConAct stärkt Fachkräfte der Jugendhilfe im Umgang mit Antisemitismus in Weimar, Dresden und Kassel

Für das Jahr 2025 registrierte der Bundesverband von RIAS – Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus knapp 24 antisemitische Vorfälle pro Tag. Seit dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg sind die Fallzahlen damit um ein Vielfaches gestiegen. Diese Entwicklung ist auch in der Jugend- und Bildungsarbeit spürbar: Antisemitismus und Unversöhnlichkeit im Sprechen über den sogenannten Nahostkonflikt stellen große Herausforderungen in der pädagogischen Arbeit dar. Das Projekt „Sichtbar Handeln! Gegen Antisemitismus.“ bot Fachkräften der Jugend- und Bildungsarbeit bei Fortbildungen in Weimar, Dresden und Kassel im Mai und Juni 2026 Räume für Austausch, Handlungstrainings und neue Methoden.

Herausforderungen benennen, Handlungsoptionen entwickeln

Die Herausforderungen, von denen die Teilnehmenden berichteten, reichen von verengten Gesprächsräumen bis hin zu offenen Konflikten unter Jugendlichen und im Kolleg*innenkreis. Schnell zeigte sich, dass viele vergleichbare Erfahrungen machen. Kollegiale Beratungen ermöglichten im Rahmen der Workshops, dass die Gruppen Lösungen für konkrete Fälle entwickelten, die sie selbst eingebracht hatten. Das Team von ConAct strukturierte die Diskussionen mit Leitfragen und fachlichem Input. Die Teilnehmenden waren sich einig: Auf antisemitische Äußerungen müssen wir immer reagieren, um Betroffene zu schützen, Widerspruch gegen Antisemitismus zu leisten und die jeweilige pädagogische Zielgruppe zur Reflexion anzuleiten. Eine Teilnehmerin berichtete anschließend:

„Mir ist klar geworden, dass es neben Wissen vor allem entscheidend ist, eine Haltung zur Thematik zu entwickeln. Dabei hat mir der Workshop geholfen.“

Orientierung im Diskurs: Kritik oder Antisemitismus?

Ein Bedarf wurde von vielen Teilnehmenden formuliert: Wie kann ich erkennen, ob eine Äußerung oder Darstellung antisemitisch ist? Wie kann ich die vielen Statements und Symbole einordnen, die mir im Internet oder bei Demonstrationen begegnen? Dazu arbeiteten die Gruppen mit Beispielen, die dem Diskurs in Deutschland über den 7. Oktober und den Krieg im Gazastreifen entstammen. Eine Einführung in die Funktionen und Erscheinungsformen von Antisemitismus sowie eine Checkliste mit Merkmalen unterstützten die Teilnehmenden dabei, antisemitische Inhalte zu erkennen und von legitimer, mitunter auch emotionaler, Kritik bzw. sachlicher Meinungsäußerung zu unterscheiden.

Pädagogische Ansätze zum Nahostkonflikt: Betroffenheiten anerkennen, Komplexität vermitteln

Viele Fachkräfte aus Jugend- und Bildungsarbeit beschrieben eine große Zurückhaltung, mit ihren Zielgruppen über den Nahostkonflikt oder den palästinensisch-israelischen Konflikt zu sprechen – zu komplex erscheine die politische Lage, zu emotional die Debatten. Das Team von ConAct unterstützte dabei, diese Berührungsängste abzubauen, indem es die Gruppe motivierte, zunächst das Ziel bei der Vermittlung zu analysieren: Will ich über den historischen Konflikt oder über die Emotionen beim Sprechen über den Konflikt reden? Geht es um Antisemitismus und Rassismus in Deutschland oder um die Menschen vor Ort? Nachdem diese Fragen geklärt waren, lernten die Fachkräfte methodische Ansätze kennen, mit denen sie diese unterschiedlichen Ziele erreichen können. Bei allen Veranstaltungen sorgten Methoden für großen Zuspruch, die durch künstlerische Zugänge und persönliche Zeugnisse Perspektiven von jungen Israelis und Jüdinnen*Juden außerhalb Israels auf die Entwicklungen seit dem 7. Oktober 2023 vermitteln.

„Die individuellen Stimmen von Menschen aus Israel zu hören, war für mich besonders wertvoll“, sagte einer der Teilnehmer rückblickend.

Diese Zugänge bestärkten die Pädagog*innen in der Haltung, Betroffenheiten anzuerkennen und Antisemitismus entgegenzuwirken.


Mehr über das von ConAct realisierte Projekt „Sichtbar Handeln! Umgehen mit Antisemitismus in Jugend- und Bildungsarbeit“ erfahren Sie unter www.Sichtbar-Handeln.org.

Das Projekt „Sichtbar Handeln! Umgehen mit Antisemitismus in Jugend- und Bildungsarbeit“ wird von ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch in Kooperation mit der Israel Youth Exchange Authority und dem Council of Youth Movements seit 2020 realisiert. Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

 

 

Kleingruppe von vier Menschen diskutiert sitzend Seminarmaterial.
Workshopteilnehmende in Dresden. Alle Fotos von ConAct
Zwei Referent*innen tragen ihre Präsentation im Seminar vor.
Referent*innen von ConAct während des Seminars
Aus Vogelperspektive Blick auf Kleingruppe im konzentrierten Gespräch.
Im Gespräch in Weimar
Zwei Menschen im angeregten Gespräch.
Drei Frauen sitzen in der Kleingruppe zusammen und sprechen über ein Bild, dass die Ereignisse des 7. Oktober symbolisiert.
Kleingruppenarbeit in Kassel