„Shalom Frankfurt“: Eine deutsch-israelische Woche am Main Stadtjugendring Buxtehude e. V. und Matnasgan – Community Council of East Netanya

Gemeinsame Wanderung zum Goetheturm
Spielerische Begegnung durch Sprachanimation auf Deutsch und Hebräisch

Seit dem 7. Oktober 2023 befindet sich Israel im Kriegszustand. Daher ist es umso bemerkenswerter, dass der lang im Voraus geplante Jugendaustausch zwischen Buxtehude und Netanya im Sommer 2024 dennoch stattfinden konnte. Ein Besuch der Buxtehuder Gruppe in Israel war aufgrund der offiziellen Reisewarnung nicht möglich, allerdings konnten die israelischen Jugendlichen die Reise nach Deutschland antreten. 

Alles anders als sonst. Normalerweise besuchen sich die Jugendlichen gegenseitig in den Familien, stattdessen gab es dieses Jahr eine gemeinsame Unterbringung im Hostel. Die Auswahl für den Begegnungsort fiel nicht zufällig auf die Stadt mit dem größten Flughafen des Landes: Frankfurt hat eine reichhaltige jüdische Geschichte und auch heute wieder ein buntes Gemeindeleben in der Synagoge. Auch für Sightseeing und gesellige Programmpunkte bietet Frankfurt ausreichend Angebote wie das Social Media Museum „SweetPics“ oder die Aussicht über die Stadt auf dem MainTower. 

Auf den Spuren jüdischer Geschichte in Frankfurt. Den Rahmen des einwöchigen Programms bildete die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben in Frankfurt. Angefangen bei der mittelalterlichen Judengasse, dem Juden-Ghetto in Frankfurt bis 1796, das teilweise restauriert und heute wieder begehbar ist. Nach Ende der Judengasse verteilten sich jüdische Mitbürger über die ganze Stadt und bildeten die größte jüdische Gemeinde in Deutschland – bis die Nationalsozialisten begannen, Juden und Jüdinnen systematisch zu entrechten, verfolgen und zu ermorden. Die Großmarkthalle diente dem NS-Regime als Deportationsstelle für 12.000 jüdische Menschen und ist heute eine Gedenkstätte auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank. Nach der Führung durch die Großmarkthalle gedachte die Austauschgruppe bei einer selbst vorbereiteten Zeremonie den Opfern des Holocaust. 

Jüdisches Leben heute – in Deutschland und in Israel. Beim Besuch der Westend-Synagoge zum Shabbat-Beginn zeigte sich, dass jüdisches Leben wieder stattfindet: 7000 jüdische Mitglieder hat die Frankfurter Gemeinde heute, ein wesentlicher Teil davon zog aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Im Gespräch mit jungen Gemeindemitgliedern zeigte sich, dass sich jüdisches Leben in Deutschland auf vielfältige Art und Weise vom Leben in Israel unterscheidet: Kosheres Essen ist in Frankfurt und anderen Großstädten erhältlich, an anderen Orten in Deutschland aber nur schwer zu bekommen. In Israel hingegen ist es eine Selbstverständlichkeit. Klimaanlagen gibt es in Deutschland wenige, dafür ist der ÖPNV viel besser ausgebaut. Das Tragen von jüdischen Symbolen kann in Deutschland gefährlich werden, in Israel sind sie fester Bestandteil des Stadtbilds. Gleichzeitig ist die kollektive Sicherheit des Landes in Deutschland nicht derart akut bedroht, wie in Israel. Überlegungen, die gerade für die jungen Buxtehuder gänzlich neu waren. 

Unmittelbar spürbar: die politische Lage. Auch während des Programms waren die brisanten politischen Entwicklungen in Israel und die Sicherheitslage ein allgegenwärtiges Thema: Als die Gruppe in Frankfurt ankam, waren im Norden von Israel gerade mehrere Jugendliche bei einem Raketenangriff ums Leben gekommen. Am zweiten Tag wurde der Tod hochrangiger Terroristen von Hamas und Hisbollah bekanntgegeben, am Tag darauf bereitete sich Israel auf eine möglichen Gegenangriff vor. In der Folge stornierten amerikanische und deutsche Airlines alle Flüge nach Tel Aviv – und plötzlich war die Rückreise der israelischen Delegation gefährdet. 

Erinnerungen die bleiben. Wegen oder trotz der ungewöhnlichen Situation war der diesjährige Jugendaustausch eine Bereicherung und einmalige Erfahrung für die Teilnehmenden. Highlights der Jugendlichen waren das Erlebnisbad Miramar und eine Wanderung durch den Wald zum Goetheturm. Nach der deutsch-israelischen Woche in Frankfurt bleiben neu geknüpfte Freundschaften, schöne Erinnerungen und dank der morgendlichen deutsch-hebräischen Sprachspiele auch ein paar Brocken der jeweils anderen Sprache. 

Bereits seit zehn Jahren engagiert sich der Buxtehuder Jugendring im Austausch mit Israel. Aus dem Jugendaustausch ist die Buxtehuder Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft hervorgegangen, die sich insbesondere als Ehemaligen-Netzwerk versteht. Partner in Israel ist das Community Center East Netanya (Matnasgan). Gefördert wird die Jugendbegegnung von ConAct, dem Koordinierungszentrum für den Deutsch-Israelischen Jugendaustausch, sowie von den lokalen Jugendpflegen. 

Projektvorstellung: Achim Biesenbach