Israel nach dem 7. Oktober – Stimmen aus Jugendarbeit und Gesellschaft
Bereits wenige Tage nach den Angriffen der Hamas auf Israel lud ConAct Fachkräfte im Deutsch-Israelischen Jugendaustausch zu einer aktuellen Stunde mit Partner*innen vom Verband der Israelischen Jugendbewegungen ein. Hierbei wurden der Bedarf und das Interesse deutlich, in dieser Krisenzeit im engen Austausch miteinander und mit ConAct zu stehen und Stimmen aus Israel zu hören. Vor diesem Hintergrund finden seit Oktober 2023 regelmäßig digitale Angebote von ConAct mit Menschen aus der israelischen Jugendarbeit und Gesellschaft statt.
Am 27. März 2026 setzte ConAct die Gesprächsreihe mit Natalia Peretz, Bildungspsychologin und Trainerin beim NATAL - Israel Trauma and Resiliency Center, fort. Die Organisation ist auf psychosoziale Unterstützung in Krisensituationen spezialisiert und arbeitet in den Bereichen Prävention, Intervention und Resilienzförderung.
Im Gespräch ging die Psychologin auf die aktuellen Lebensbedingungen junger Menschen in Israel im Kontext des anhaltenden Krieges mit dem Iran ein. Wiederkehrende Raketenalarme, unterbrochene Alltagsstrukturen sowie Evakuierungen prägen den Alltag vieler Jugendlicher und wirken sich auf ihr Sicherheitsgefühl und ihre Handlungsfähigkeit aus.
Dies führe bei vielen Jugendlichen zu Angst, erhöhter Anspannung, Rückzug und Schlafstörungen. Gleichzeitig sei zu beobachten, dass junge Menschen in der Krisensituation vielfach mehr Verantwortung übernähmen, was ein verfrühtes Erwachsenwerden zur Folge habe. Mit dem Konzept „Rolling Trauma“ wird dabei der Umstand beschrieben, dass aufgrund der vielen Krisen der vergangenen Jahre Phasen der Traumabewältigung immer wieder unterbrochen würden.
Wie viele ihrer Kolleg*innen arbeitet Natalia Peretz mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die besonders unter den Auswirkungen der Kriege der letzten Jahre leiden. Diese kommen aus Gemeinschaften, die wegen des aktuellen Krieges evakuiert sind, oder gerade in Gegenden zurückkehren, die am 7. Oktober 2023 verheert wurden. Mit ihnen arbeiten die Expert*innen daran, die Mechanismen von Traumata zu verstehen und Gefühle benennen sowie anerkennen zu können. In Einzel- oder Gruppensitzungen würden praktische Strategien für den Alltag eingeübt: etwa Atemübungen oder das Erstellen einer persönlichen Playlist, die in einer Krisensituation ein Gefühl von Sicherheit geben könne.
Eine besondere Zielgruppe stellen auch freiwillige Helfer*innen, z.B. aus den Jugendbewegungen dar, die sich um die Evakuierten kümmern. Sie erhalten eine besondere Ausbildung, die für den Umgang mit Trauma sensibilisiert und die Freiwilligen selbst stärkt. Die Referentin hob dabei auch die Stärken der Jugendlichen hervor:
Youth are so clever – they have the answers. We just need to know how to ask the right questions.
Im gemeinsamen Austausch wurden abschließend die Implikationen für den Jugendaustausch thematisiert. Dabei stellte sich heraus, dass Jugendaustauschprogramme durch vielfältige Partizipationsmöglichkeiten bei der Programmgestaltung bereits eine gute Basis für die Begegnung unter den gegenwärtigen Umständen bieten. Auch eine gute Vorbereitung auf den Austausch, die Verankerung von Routinen im Programm und die gemeinsame Gestaltung von Ideen für die Zukunft seien geeignete Antworten.






