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„Wirkt Begegnung gegen Vorurteile?“

Bilaterales Fachgruppentreffen mit Expert*innen aus Deutschland und Israel

Begegnungsarbeit kann für Jugendliche einen großen Mehrwert leisten, wenn sie gesellschaftliche Themen darstellt, wie sie sind: kompliziert, vieldeutig, voller Fragen und Machtgefälle. Teilnehmende müssen zur Selbstreflexion eingeladen werden, statt nur über ‚die Anderen‛ lernen zu wollen. Ebenso brauchen wir Gruppenhelfer*innen, die eine klare Haltung gegen Diskriminierung einnehmen. Idealerweise sollten Begegnungen in einen größeren Bildungsprozess integriert werden.

(Fachkraft der Jugendarbeit aus Israel während der Vorstellung eines deutsch-israelischen Begegnungsprojekts)

 

Im Rahmen eines Fachgruppenreffens tauschten sich Ende Mai 20 Expert*innen aus Wissenschaft, Bildungsarbeit, internationalem Jugendaustausch sowie aus der Gedenkstättenarbeit in Deutschland und Israel über Bildungsansätze gegen Rassismus und Antisemitismus aus. Dabei wurde besonders die Begegnungsarbeit in den Blick genommen. Welches Potenzial bietet sie Jugendlichen, um Vorurteile und diskriminierende Einstellungen kritisch zu hinterfragen?

Was unterscheidet Bildung gegen Antisemitismus von Bildung gegen Rassismus und wie sehen die Diskurse dazu in beiden Ländern aus? Welche Rahmenbedingungen braucht es für gelingende Begegnungen? Wie kann die gemeinsame Erinnerung an und die Auseinandersetzung mit der Shoah im Jugendaustausch auch eine Sensibilisierung und Reflexion über Diskriminierung heute anstoßen? Diese und weitere Fragen wurden an zwei Tagen intensiv diskutiert. Einige Fachgruppenmitglieder bereiteten hierfür kurze Statements und Panelbeiträge zu grundsätzlichen Überlegungen vor. Andere präsentierten ihre Begegnungsprojekte aus der Praxis und brachten zentrale Erkenntnisse aus ihrem pädagogischen Alltag mit, die die Gruppe im Rahmen mehrerer World-Café-Runden weiter diskutierte.

Die historisch-politische Bildungsarbeit ist ein wichtiger Grundpfeiler in der Austauscharbeit zwischen Gruppen aus Deutschland und Israel. Dabei ist zentral, wie wir während der Begegnungen mit Konflikt, Schmerz, Widerstand umgehen. Begegnungsarbeit ist auch Konfliktpädagogik.

(Professorin aus Deutschland während eines Panels zu Rassismus und Antisemitismus)

Die Ergebnisse des Fachgruppentreffens dienen der Vorbereitung einer bilateralen Fachkonferenz, die vom 22.–24. November 2022 in Berlin stattfinden wird. Unter dem Titel „All Actual Life Is Encounter” (Martin Buber) – Tackling Prejudice and Discrimination with Education, Encounter and Exchange soll Fachkräften aus Deutschland und Israel ein Lern- und Diskussionsraum geboten werden. Im Zentrum der Konferenz wird die Frage stehen, inwiefern Jugendliche durch Begegnungen im Jugendaustausch dazu bewegt werden können, diskriminierende Einstellungen zu hinterfragen und sich an der Mitgestaltung einer vielfältigen und offenen Gesellschaft zu beteiligen.

Erfahren Sie mehr über unser Projekt unter: www.Sichtbar-Handeln.org.

 


Das Modellprojekt „Sichtbar handeln! Umgehen mit Antisemitismus in Jugend- und Bildungsarbeit“ wird in den Jahren 2020–2022 aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus gefördert. Weitere Module und Projektbausteine werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Errichtung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks sowie Mitteln des Kabinettsausschusses zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus gefördert. Das Projekt wird von ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch in Kooperation mit der Israel Youth Exchange Authority realisiert.