Kinder- und Jugendpolitik – Grundlagen und Strukturen

Gesetzliche und finanzielle Grundlagen

Relevante Gesetze

Folgende Gesetze definieren Rechte und Pflichten von Kindern und Jugendlichen in Israel:

  • Das Gesetz zur Staatlichen Erziehung formuliert allgemeine Prinzipien und Ziele des staatlichen Schul- und Erziehungssystems.
  • Im Gesetz über die Schulpflicht ist für das 5- bis 16-Jährige eine allgemeine und kostenlose Schulpflicht bis zur 10. Klasse festgelegt.
  • Die 54 Paragraphen umfassende Internationale Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen wurde von Israel 1991 unterzeichnet.
  • Das Gesetz über das Recht auf Ausbildung mit Bezug auf die UN-Charta schreibt das individuelle Recht auf menschliche Würde, Erziehung und Teilhabe am Erziehungssystem fest.
  • Laut Gesetz über die Schulaufsicht ist die Gründung und der Betrieb einer Schule, die nicht Teil des offiziellen staatlichen Erziehungssystems sein will, mit offizieller staatlicher Genehmigung möglich.
  • Das Gesetz zur Sonderpädagogischen Erziehung regelt staatliche Maßnahmen zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und geistigen Behinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf.
  • Laut Gesetz zur Berufsausbildung haben Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren ein Recht auf berufliche Ausbildung in Form einer praktischen Ausbildung oder als Teil der höheren Schulbildung.
  • Das Gesetz zu Adoptionsverfahren orientiert sich am Wohl des zu adoptierenden Kindes.
  • Das Gesetz zum Schutz von Kindern in der Öffentlichkeit formuliert ein Alkoholverbot für Kinder und Jugendliche.
  • Das Gesetz zum Schutz von minderjährigen Zeug*innen regelt Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs oder Gewalt gegen Kinder.
  • Laut Gesetz zur Pflege und Aufsicht von Jugendlichen kann das Sorgerecht einer ausgesuchten Privatperson bzw. einer*m Fürsorgebeamt*in übertragen werden.
  • Das Gesetz Rechtsprechung, Strafe und Behandlungswegen regelt Verfahrensfragen der Jugendgerichte sowie mögliche Straf- und Erziehungsmaßnahmen.
  • Die Bestimmungen für Vergehen gegen Kinder und Hilflose des israelischen Strafgesetzbuches sehen bei körperlichen und sexuellen Angriffen und Missbrauch schwere Strafen vor.
  • Das Gesetz zur Prävention von Gewalt in der Familie ermöglicht schnelle Hilfe für Geschädigte und den Erlass einer sofortigen gerichtlichen Schutzbestimmung in Fällen familiärer Gewalt.
  • Das Vormundschaftsgesetz regelt die gesetzliche Vertretung von Jugendlichen, wenn die Eltern gestorben oder nicht in der Lage sind, ihre Pflichten wahrzunehmen.Das Gesetz zur Öffentlichen Verteidigung gibt angeklagten Minderjährigen das Recht, auf Staatskosten einen Verteidiger zu nehmen.

Links

Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

  • Grundsätzlich: In Israel gelten
    • 1- bis 14-Jährige als Kinder
    • 14- bis 18-Jährige als Jugendliche
    • über 18-Jährige als Volljährige
  • Schulpflicht: 5 bis 16 Jahre
  • Bedingte Strafmündigkeit: ab 12 Jahren
  • Beschäftigungsverbot:
    • unter 14 Jahren: generelles Beschäftigungsverbot (Ausnahme: Landwirtschaftsbetrieb der Eltern)
    • 14 bis 18 Jahre: Beschäftigungsverbot am Schabbat
    • bis 16 Jahre: Beschäftigungsverbot nach 20 Uhr
    • 16 bis 18 Jahre: Beschäftigungsverbot nach 22 Uhr
  • Beschäftigungserlaubnis: ab 14 Jahren in den Ferien (max. 8 Stunden täglich, 40 Stunden wöchentlich)
  • Piercing: unter 16 Jahren ohne Erlaubnis der Eltern verboten
  • Personalausweispflich: ab 16 Jahren
  • Führerschein-Mindestalter:
    • PKW bis 3,5t (die ersten 6 Monate begleitet): 16 Jahre + 3 Monate
    • PKW: 18 Jahre
    • Motorrad bis 500 cm³: 18 Jahre
    • LKW bis 14,9t: 18 Jahre
    • LKW über 15t: 19 Jahre
    • Motorrad über 500 cm³: 21 Jahre
  • Alkoholkonsum- und Tabakkauf-Verbot: unter 18 Jahren
  • Heiratsberechtigung: ab 17 Jahren (sind Ehepartner*innen noch nicht 17 Jahre alt nur mit Genehmigung des Bezirksgerichts)
  • Volljährigkeit/Wahlrecht: 18 Jahre
  • Wehrpflicht für alle Geschlechter: ab 18 Jahren

Links:

Finanzierung

Staatliche nationale Förderung

Kinder- und Jugendpolitik wird durch die jeweils zuständigen Ministerien im Rahmen aktueller politischer Prioritäten und Haushaltvorgaben unterstützt.

Wichtige Rollen spielen vor allem das Ministerium für Erziehung, das Ministerium für Wohlfahrt sowie das Ministerium für Einwanderung und Eingliederung. In Kooperation mit kommunalen Behörden unterstützen diese Ministerien die Entwicklung von Konzeptionen und die Organisation und Supervision von Bildungs- und Sozialprogrammen.

Die Ausgaben für den Bildungsbereich (Grundschule bis Hochschulabschluss) sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Nach Angaben der OECD lagen sie 2011 bei 7.167 Dollar pro Kopf (OECD-Durchschnitt: 9.487 Dollar), das entsprach 7,3 % des Bruttoinlandsproduktes (1,2 % mehr als der OECD-Durchschnitt).

Bei der staatlichen Finanzierung zeigt sich ein Trend zu verstärkter Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Damit ist auch eine größere staatliche Einflussnahme auf den jeweiligen Verwendungszweck verbunden. Auf dem Hintergrund parteipolitisch motivierter Zuwendungen haben verschiedene Urteile des Obersten Gerichtshofes zu größerer Transparenz bei der Verteilung öffentlicher Mittel an Nichtregierungsorganisationen geführt.

Quelle

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Kinder- und Jugendarbeit in kommunalen Einrichtungen, gemeinnützigen Vereinen und Jugendverbänden werden in erheblichem Ausmaß durch Zuwendungen von Sponsor*innen finanziert. Ein großer Teil dieser Mittel wird durch jüdische Stiftungen und Wohlfahrtsorganisationen sowie christlich-jüdische Organisationen im In- und Ausland eingebracht. Ihnen geht es vor allem um Unterstützung der Einwanderung nach Israel sowie um Solidarität in Zeiten von Krieg und Terror.

Neben diesen etablierten Finanzquellen haben sich alternative Fundraising-Netzwerke entwickelt, um israelische Initiativen zu fördern, die sich für Pluralismus, Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Israelische Wirtschaftsunternehmen suchen durch Social Sponsoring die Kooperation mit sozialpolitisch engagierten Initiativen. Sie wollen durch fordernde Unterstützung gemeinnützige Projekte fördern, die langfristig den demokratischen Charakter der Gesellschaft fördern.

Durch finanzielle Zuwendungen der Europäischen Union sowie von Regierungen verschiedener EU-Länder werden besonders israelische Initiativen unterstützt, die sich für die Stärkung von Demokratie, Menschrechten und Frieden engagieren. Die politischen Stiftungen dieser Länder engagieren sich ebenfalls stark in aktuellen politischen und sozialen Problemfeldern. Diese Finanzierung wird in der israelischen Gesellschaft als politische Einflussnahme von außen kontrovers diskutiert.

Links

Kinder- und jugendpolitische Strukturen

Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Folgende Ministerien sind für die Kinder- und Jugendpolitik besonders relevant. Nachfolgend finden Sie eine Beschreibung der Aufgaben der Ministerien in den Bereichen „Kinder und Jugendliche“.

 

Ministerium für Arbeit, Wohlfahrt und Soziales (Misrad Ha‘awoda, Harewacha WehaScherutim Hachewrati’im)

Im Wohlfahrtsministerium unterstützen die Abteilungen „Individuelle und Soziale Dienste“ sowie die „Kinder- und Jugendhilfe“ die Maßnahmen der lokalen Sozialdienste und Sozialämter. Programme der „Einzel- und Familienhilfe“ richten sich an Menschen in akuten Notlagen. Der Arbeitsbereich „Gemeinwesenarbeit, Stadtteilarbeit und Einwanderereingliederung“ konzentriert sich auf Neueingewanderte sowie auf Bevölkerung im arabischen, drusischen und beduinischen Sektor. Der Bereich „Förderprogramme“ organisiert Unterstützung in Fällen von Ausbildungsproblemen, Kriminalität und Gewalt. „Rehabilitationshilfe“, „Berufsförderung“ und „Tagesförderzentren“ unterstützen straffällig gewordene Jugendliche, Schuldistanzierte und Obdachlose. Der Bereich „Hilfe für Drogenabhängige“ koordiniert mehr als 160 Entziehungszentren.

An sozial benachteiligte Familien richtet sich die „Hilfe für Mädchen und junge Frauen“. Die „Jugendbewährungshilfe“ verantwortet die Arbeit mit minderjährigen Jugendlichen und ihren Bewährungshelfenden. Zuständig für außerfamiliäre Unterbringungen in staatlichen oder privaten Heimen ist der Arbeitsbereich „Jugendschutz“. Die Abteilung „Menschen mit geistigen Behinderungen“ unterstützt die Integration im Umfeld der gewohnten Familie und Gemeinde. Im Arbeitsbereich „Freiwilligenarbeit“ werden ehrenamtlicher Helfer*innen koordiniert, die sich in Projekten für Kinder, Alte und Behinderte, in Einwanderungszentren, Gesundheitswesen, Umweltschutz, Bürgerinitiativen und Unfallhilfe engagieren.

 

Ministerium für Erziehung (Misrad HaChinuch)

Im Erziehungsministerium ist vor allem das Amt „Gesellschaft und Jugend“ (Minhal Chewra Venoar) für außerschulische Erziehung und Bildung zuständig in Gemeindezentren, Jugendhäusern, Jugenddörfern und Jugendverbänden, in nachmittags genutzten Schulgebäuden und auf der Straße. Spezielle Programme richten sich an religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten wie russische, arabische, äthiopische, drusische und beduinische Bevölkerungsteile. Im Amt „Pädagogik" werden Lehrpläne und Programme für Kinder- und Jugendbildung entwickelt und ein jeweiliges Jahresthema für die pädagogische Arbeit festgelegt. Die „Publikationsabteilung“ gibt Informations- und Lehrmaterial zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen heraus.

Das Referat „Jugendförderung“ koordiniert Unterstützung in sozialen und wirtschaftlichen Notlagen. Im Referat „Jugend- und Gemeinde“ werden sozialpädagogische Programme für die Ortsgemeinde entwickelt. Das Referat „Staatlich-religiöse Erziehung“ richtet sich speziell an religiöse Kinder- und Jugendliche. Es gibt auch eine Abteilung zur Unterstützung von Freiwilligen des Nationalen bzw. Zivilen Freiwilligendienstes und von Teilnehmenden an Vorbereitungskursen der Armee. Das Ministerium für Erziehung ist auch zuständig für Fragen im Zusammenhang mit Sicherheit, Unfallschutz und Notsituationen und für Schulungsprogramme für Katastrophenfälle und zum Schutz gegen terroristische oder kriegerische Angriffe.

Link

 

Ministerium für Einwanderung und Eingliederung (Misrad L’klitat Alija)

Israel ist ein Einwanderungsland. Das Einwanderungsministerium ist verantwortlich für die Aufnahme und Eingliederung von Neueingewanderten durch Unterstützung bei ihrer Übersiedlung nach Israel. Die Abteilung „Eingliederung in die Gemeinde“ hilft bei der individuellen und familiären sozialen, kulturellen und sprachlichen Eingewöhnung. Das Referat „Student*innen und Schüler*innen“ entwickelt in Zusammenarbeit mit der Jewish Agency (Sochnut) Programme zur Beratung in Fragen der weiteren schulischen und universitären Ausbildung.

Mit dem Referat „Eingliederung der Neueingewanderten aus Äthiopien“ besteht ein Arbeitsbereich für die speziellen Bedürfnisse von Eingewanderten aus diesem afrikanischen Land. Das Ministerium hilft bei auftauchenden Problemen wie Planung und Vorbereitung der Einwanderung, Arbeits- und Wohnungssuche, Erziehung, Ausbildung und Weiterbildung.

Link

 

Ministerium für Verteidigung (Misrad Habitachon)

Das Verteidigungsministerium ist für die Sozial- und Erziehungsprogramme der israelischen Armee verantwortlich. Diese richten sich vor allem an sozial benachteiligte Gesellschaftsgruppen, Neueingewanderte und die jüdisch fromme Bevölkerung (Charedim). Das „Erziehungs- und Jugendkorps“ (Chel Hachinuch Vehanoar) organisiert Ausbildungs- und Studienprogramme vor und während der Militärzeit, sie ermöglichen sprachliche Fortbildung, den Abschluss einer schulischen und beruflichen Ausbildung und die Qualifizierung für den Militärdienst und ein späteres Berufsleben.

Die „Jugendtruppen“ (Gadna) unterstützen Jugendliche in sozialen Brennpunkten oder Haftanstalten. Die Schulen des „Vormilitärischen Ausbildungsprogramms“ (Mechinot Kdam Zwajot) dienen der Vorbereitung auf den Armeedienst. Sie bieten auch Kurse für internationale Teilnehmende an. Das Erziehungsprogramm der „Pionierjugend“ (Nachal) kombiniert Militärdienst mit einem Zivildienst in der Landwirtschaft. Im Programm „Lehrerinnen-Soldatinnen“ (Morot Chajalot) werden Rekrutinnen während ihres Armeedienstes als Pädagoginnen in sozialen Projekten von Gemeindezentren, Bildungseinrichtungen oder Naturschutzprojekten tätig. Das Programm „Hesder-Jeschiwot“ ermöglicht religiösen Rekruten, ihren Militärdienst mit religiösen Studien zu kombinieren. Das so genannte „Unterhaltungskorps“ der Armee plant und organisiert kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen.

Links

 

Weitere Ministerien

Über die Arbeitsbereiche der oben vorgestellten Ministerien hinaus beschäftigen sich folgende weitere Ministerien mit wichtigen Bereichen von Kinder- und Jugendpolitik:

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Die aktuellen kinder- und jugendpolitischen Programme spiegeln die Vielfalt sozialer und politischer Herausforderungen der israelischen Gesellschaft wider. Sie lassen sich vereinfacht unter folgenden Stichworten zusammenfassen (die jeweiligen Links verweisen auf beispielhafte Themenschwerpunkte und Programme).

 

Einheit und Vielfalt

Beim Aufbau des jüdischen und demokratischen Staates Israel soll Kinder- und Jugendpolitik eine entsprechende individuelle und kollektive Identität stärken und verbindende Werte vermitteln. Besondere Schwerpunktthemen sind: Dialog zwischen religiösen und säkularen Bevölkerungsgruppen, Verständigung zwischen westlich-europäisch und orientalisch geprägten Israelis, Ausgleich sozialer Benachteiligung zwischen Menschen in Großstädten und Orten an der Peripherie des Landes, Durchsetzung von Frauen- und Minderheitenrechten, Begegnung zwischen den Generationen, Verbesserung der Beziehungen zwischen jüdischer und arabisch-palästinensischer Bevölkerung.

Links

 

Einwanderung und Zionismus

Nach Überzeugung der israelischen Mehrheitsgesellschaft soll der Staat Israel eine mögliche Heim- und Fluchtstätte für Jüdinnen und Juden aus aller Welt sein, besonders aus Ländern mit zunehmender Judenfeindschaft oder wirtschaftlicher Notlage. Die Eingliederung von Neueinwandernden aus verschiedensten Ländern und Kulturen hat hohe Priorität. Programme der Kinder- und Jugendarbeit fördern hebräische Sprachkenntnisse, berufliche Qualifikation und gesellschaftliche Integration mit dem Ziel eines gemeinsamen israelischen Selbstbewusstseins. Aktuelle Bedeutung hat die Arbeit mit Menschen aus Migrations- und Fluchtbewegungen Asiens und Afrikas.

Links

 

Toleranz und Demokratie

Mit der Förderung jüdischer und israelischer Identität ist die Vermittlung universeller demokratischer Werte verbunden. Erziehung zu Toleranz und Demokratie ist in einer Einwanderungsgesellschaft, deren Bevölkerung zu großen Teilen aus Ländern ohne ausgeprägte demokratische Traditionen stammt und die seit der Staatsgründung ständig in Bedrohungs- und Kriegssituationen lebt, eine zentrale Aufgabe. Entsprechende Bildungsprogramme widmen sich interkultureller Verständigung, Dialog, Konfliktvermittlung sowie Bürger- und Menschenrechtfragen. Sie wirken gegen Vorurteile und rassistische Einstellungen und fördern Zivilcourage.

Links

 

Bürgerschaft und Engagement

Ehrenamtliche Mitarbeit in sozialen, kulturellen und politischen Organisationen hat in Israel eine starke Tradition. Jugendpolitik will junge Menschen zu freiwilligem Engagement für Gemeinde, Gesellschaft und Staat motivieren. In zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen des Landes finden sich Aufnahmeorganisationen und Einsatzstellen für ehrenamtliche Arbeit, auch in Form von Freiwilligendiensten zionistischer und anderer Organisationen im Ausland.

Regierung, lokale Behörden, Jugendbewegungen und Vereine entwickeln aktuelle Programme zur Aus- und Weiterbildung von in der Kinder- und Jugendarbeit Engagierten.

Links

 

Krieg und Frieden

Erfahrungen im israelischen Alltagsleben mit Gewalt, Terror und Krieg sind für Kinder- und Jugendarbeit besondere Herausforderungen. Sie brauchen Räume und Gelegenheiten, um Ängste, Wut und Zweifel zum Ausdruck zu bringen und mit anderen auszutauschen. Verschiedene Programme versuchen, Bedrohungsgefühlen und Resignation entgegenzuwirken und Hoffnung auf Frieden und jüdisch-arabische Koexistenz zu stärken. Sie bemühen sich um eine Klärung der vielschichtigen Ursachen der Spannungen, um die Entwicklung einer Gesprächs- und Streitkultur sowie um eine größere Bereitschaft für Kompromisse.

Links

 

Erinnern und Gedenken

Viele jugendpolitische Programme bemühen sich um die Förderung des persönlichen und kollektiven Bewusstseins von der Gegenwart von Geschichte. Dabei kommt der Beschäftigung mit den Wurzeln der eigenen Familie und der Geschichte ihres Heimatortes große Bedeutung zu. In der israelischen Gedenk- und Erinnerungsarbeit nimmt die Katastrophe des nationalsozialistischen Judenmordes (im hebräischen Sprachgebrauch: Schoa, d. h. Katastrophe) eine überragende Bedeutung ein. Bei der Einordnung in den größeren Zusammenhang von Judenfeindschaft und Geschichte Israels ist das Spannungsverhältnis zwischen jüdischen und universellen Lehren aus der Geschichte eine Herausforderung für die pädagogische Arbeit.

Links

 

Gewalt und Drogen

Gewalt gegen Kinder- und Jugendliche sowie Kriminalität, Drogenmissbrauch und Gewalt von Jugendlichen sind aktuelle und breit diskutierte Problemfelder. Fälle sexuellen Missbrauchs in Politik, Schulen und Armee bewegen immer wieder die Öffentlichkeit. Kinder- und Jugendpolitik reagiert durch Aufklärungs- und Beratungsarbeit und mit Anti-Gewaltprogrammen. Staatliche Einrichtungen, gemeinnützige Vereine und Stiftungen betreiben Informations- und Unterstützungskampagnen für Jugendliche gegen Gewalt, zur Gesundheitsvorsorge und bieten Hilfen in Krankheits- und Notfällen. Besondere Schwerpunkte liegen in Suchtprävention und Antidrogenberatung.

Link

 

Umwelt und Natur

Israelis fühlen sich traditionell stark mit ihrem Land und der Schönheit der Natur verbunden. Das Prinzip des Lernens über und in Natur ist in der Kinder- und Jugendarbeit stark verbreitet. Das Umweltministerium arbeitet eng mit örtlichen Bildungseinrichtungen, Gemeindezentren, Jugendbewegungen sowie Natur- und Umweltschutzgruppen zusammen. An vielen Orten des Landes organisieren „Erziehungszentren für Umwelt“ Lernprogramme zu ökologischen und umweltpolitischen Themen. Dazu gehören auch Aktivitäten und Veranstaltungen wie Schulwettbewerbe, Jugendwanderungen und Foto- oder Kunstprojekte, auch in internationalen Kooperationsprojekten.

Links

 

Bildung und Arbeit

Jugendliche mit mangelnder oder abgebrochener Schulbildung gibt es vor allem in eingewanderten Familien, in sozial benachteiligten arabischer Dörfern sowie in der fromm-jüdischen Bevölkerung (Charedim), deren Schulen den allgemeinen staatlichen Fächerkanon ignorieren und sich auf Bibel- und Religionskunde konzentrieren. Auf dem israelischen Arbeitsmarkt haben diese Jugendlichen kaum Chancen. Bildungsprogramme zur schulischen und beruflichen Qualifizierung legen großen Wert auf sprachliche Qualifikation, mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse und computertechnische Fähigkeiten. Sie versuchen besonders, junge Frauen zu erreichen.

Link

Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Auf städtischer und gemeindlicher Ebene sind die jeweiligen Ämter für Jugend, Sport und Freizeit für Jugendhilfe und Jugendpolitik zuständig. Sie entwickeln kulturelle, sportliche und pädagogische Programme für die Arbeit in Gemeindezentren, Sommer- und Freizeitprogrammen, Kultur- und Sportveranstaltungen und sozialen Diensten. Dabei kooperieren sie mit den örtlichen Vertretungen der jeweils zuständigen Ministerien.

In 154 Gemeinden in allen Landesteilen verbreitet sind die Zentren für Kultur, Jugend und Sport (hebräisches Kürzel: Matnass, Plural: Matnassim) mit über 700 Zweigstellen. Als ihr Dachverband fungiert die Vereinigung der Gemeindezentren. Sie ist dem Erziehungsministerium zugeordnet und kooperiert mit jeweils zuständigen Ministerien sowie städtischen und gemeindlichen Behörden.

Die Gemeindeschule (Beit Sefer Kehilati) ist eine verbreitete pädagogische Einrichtung der außerschulischen Bildungsarbeit. Nach Beendigung des Unterrichts fungieren Gelände und Räume der Schulen als Gemeindezentren für Jugendliche des Ortes. In ihnen wird Jugendarbeit mit Gemeinwesen-, Eltern- und Schul-Arbeit verknüpft.

Kinder- und Jugendliche können in einem der 60 Kinder- und Jugenddörfer (singular: Kfar Noar) oder Internaten (singular: Pnimia), bei Gefährdung in geschlossenen oder offenen Schutzheimen, bei körperlich oder geistigen Beeinträchtigungen oder Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten in Einrichtungen der Sonderpädagogik untergebracht werden.

Außerschulische Erziehungs- und Bildungsarbeit in Israel wird auch stark durch Programme von Nichtregierungsorganisationen (NGO) geprägt. Die meisten haben sich jeweils auf besondere Schwerpunktthemen und Aktivitäten spezialisiert.

Verschiedene gesellschaftspolitische Gruppen und Strömungen in Israel unterhalten eigene Bildungsstätten und Tagungshäuser mit auch jugendpolitischer Zielsetzung, die von Organisationen der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit genutzt werden. Jugendleiter*innen werden oft in Bildungseinrichtungen der großen Jugendverbände ausgebildet.

Links

Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Rat der Kinder- und Jugendorganisationen

Der Rat der Kinder- und Jugendorganisationen (Englisch) (Moezet Irgunej Hajeladim Venoar) repräsentiert mehr als 20 gemeinnützige Vereine und Organisationen im außerschulischen Bildungsbereichs mit insgesamt über 160.000 Teilnehmenden, 2.000 Mitarbeitenden und 12.000 Freiwilligen. Die großen und kleinen Mitgliedsorganisationen repräsentieren parteiübergreifend die Verschiedenheit und Vielfalt der israelischen Gesellschaft und arbeiten zusammen an der Überwindung von sozialen und gesellschaftlichen Spannungen.

Zu den Mitgliedsorganisationen gehören unter anderem Initiativen zur Unterstützung von sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen, für die Eingliederung von Einwandernden, Angebote für Jugendliche in Notsituationen, arabische Jugendverbände, Bildungsprojekte für demokratische Erziehung und religiöse Unterweisung.

Links

 

Rat der Jugendbewegungen

Im Rat der Jugendbewegungen (Moezet Tnuot Hanoar) sind die großen überregionalen Jugendbewegungen des Landes zusammengeschlossen. Er ist der wichtigste jugendpolitische Dachverband Israels. Seine Mitgliedsverbände sind auf örtlicher Ebene in Räten der Jugendbewegungen (Moazot Tnuot Hanoar) der jeweiligen Gemeinden organisiert. Nähere Informationen zur Arbeit der Jugendbewegungen im Abschnitt über Jugendverbandsarbeit.

Link

 

Schüler*innenräte

Auf örtlicher Ebene sind die Schüler*innenräte (Moazot Talmidim) aktiv. Sie vertreten die Interessen der Schüler*innenschaft gegenüber der Schulleitung und praktizieren demokratische Prinzipien innerhalb der Schule. Delegierte werden in die regionalen Schüler*innen- und Jugendräte entsandt. Ihre Vertreter*innen beteiligen sich an Sitzungen von Gemeinderäten, der Erziehungskommissionen des Erziehungsministeriums und des Parlaments. Das Referat für Schul- und Jugendräte im Erziehungsministerium unterstützt die Arbeit in Schulen, Gemeindeeinrichtungen und Jugendverbänden.

Der nationale Schüler- und Jugendrat (Moezet Talmidim Wenoar Arzit) ist die Gesamtvertretung von Schüler*innenschaft und Jugendlichen des Landes. Er setzt sich aus gewählten Vertreter*innen.

Jugendarbeit

Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Die großen landesweiten Jugendverbände sind im Rat der Jugendbewegungen (Moezet Tnuot Hanoar, Kürzel: Matan) zusammengeschlossen. Er ist dem Amt „Gesellschaft und Jugend“ des Erziehungsministeriums zugeordnet und wird von dort fachlich und finanziell unterstützt. Israelische Jugendbewegungen stellen einen hohen Anteil der ehrenamtlich Engagierten in der Kinder- und Jugendarbeit von Gemeinden sowie in sozialen und erzieherischen Programmen des Militär- und Zivildienstes. Sie engagieren sich besonders in Projekten mit eingewanderten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

In arabischen Gemeinden, die sich in der Regel weniger auf ein etabliertes Netzwerk von Förderkreisen im In- und Ausland stützen können und die häufig kein eigenes örtliches Zentrum für Kultur, Jugend und Sport haben, ist Jugendverbandsarbeit besonders wichtig. Eigenständige arabische Jugendverbände wie die Arabische Jugend (Hanoar Ha’arawit) versuchen, lokale Jugendarbeit aufzubauen und weiterzuentwickeln. Innerhalb der zionistischen Jugendbewegung Haschomer Haza'ir (Der junge Wächter) ist AJial (arab. Generationen) ein eigenständiger arabischer Jugendverband. Auch die zionistische Arbeitende und Lernende Jugend (Hanoar Ha’owed Wehalomed) bemüht sich um jüdisch-arabische Koexistenz und um Integration arabischer Jugendlicher in ihre Programme. Ihre Verbandsstruktur verfügt über eine Arabische Abteilung. Die größte israelische Jugendbewegung, die Pfadfinder (Hazofim), hat arabische Unterverbände für ihre muslimischen, christlichen und drusischen Mitglieder.

 

Überregionale Jugendverbände

Die im Rat der Jugendbewegungen zusammengeschlossenen landesweiten großen Jugendbewegungen vertreten 250.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren. Die folgenden Links informieren über die 14 Mitgliedsverbände:

 

Politische Jugendorganisationen

Die Jugendorganisationen politischer Parteien spielen weiterhin eine wichtige Rolle und konkurrieren oder kooperieren je nach politischer Ausrichtung untereinander und mit verschiedenen Jugendverbänden. Neben den etablierten Verbänden und Parteien existieren unabhängiger Organisationen und Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft, die über kleinere Jugendorganisationen und Jugendgruppen verfügen. Die Bildungs- und Erziehungsprogramme der Organisationen spiegeln die jeweilige politische und ideologische Ausrichtung.

 

Religiöse Jugendverbände

Weltweit, nicht in Israel, bilden die Bewegungen des konservativen Judentums (Jahadut Massortit) und des Reformjudentums (Jahadut Mitkademet) die Mehrheit des religiösen Judentums, in Israel ist es das so genannte orthodoxe und ultraorhodoxe Judentum (Dati'im und Charedim). Die religiösen Jugendverbände pflegen enge Bindungen zu den etablierten religiösen Einrichtungen. Der im Laufe der Jahre verminderten Rolle der sozialistisch und säkular geprägten Kibbuz- und Arbeiterbewegung entspricht ein zunehmender Einfluss der religiös oder national orientierten Strömungen und Jugendverbände.

 

Jugendverbände des Sports

Die ursprünglich stark jeweils mit bestimmten politischen Strömungen und Parteien identifizierten nationalen Sportverbände haben sich seit den 70er Jahren weitgehend entpolitisiert. Sie verstehen sich heute als überparteiliche Organisationen. Dies betrifft die Sportbewegungen Makkabi, Hapoel und Betar. Religiös-zionistische Sportvereine sind im Dachverband Elizur zusammengeschlossenen. Der Sportverband A.S.A. ist an Universitäten und Hochschulen gebunden. Näheres zum Sport finden Sie im Kapitel Gesundheit und Wohlbefinden – Sport.

Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Die israelische Gesellschaft gliedert sich nach Religionszugehörigkeit in 75 % jüdische, 17,5 % muslimische, 2 % christliche, 1,6 % drusische und 3,9 % anders orientierte Bevölkerung. Die Mehrheit der Israelis ist dabei eher weltlich-säkular orientiert und religiös kaum oder nicht praktizierend. Nur eine Minderheit lebt ein religiös geprägtes Alltagsleben mit regelmäßigem Beten und Synagogenbesuchen. Die Identität der israelischen Mehrheitsgesellschaft wird jedoch unabhängig von der individuellen Religiosität weitgehend durch das Bewusstsein von einer verbindendenden gemeinsamen jüdischen Kultur, Tradition und Geschichte geprägt.

Prognosen der Bevölkerungsentwicklung gehen aufgrund der Geburtsstatistiken davon aus, dass in den kommenden Jahren der Anteil der religiös praktizierenden Bevölkerung stark zunehmen wird mit einschneidenden Folgen für das Erziehungssystem. Bereits heute kommt die Hälfte der Kinder der 1. Grundschulklasse aus fromm-religiösen Familien (Charedim).

 

Staatlich-religiöse Erziehung

Staatliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Gruppen wenden sich mit speziellen Programmen an die religiöse Bevölkerung. Der Arbeitsbereich „Staatlich-religiöse Erziehung“ im Erziehungsministerium entwickelt Programme, die Kindern und Jugendlichen Religionskunde und demokratische Werte im Einklang mit den Geboten der Bibel vermitteln. Die Abteilung für „Internatserziehung“ ist verantwortlich für staatlich-religiöse Jugenddörfer oder Internate zum Studium religiöser Schriften für Jungen (Jeschiwot) und Mädchen (Ulpanot). Der Arbeitsbereich „Arabischer Sektor“ beschäftigt sich mit Bildungs- und Erziehungsfragen im arabischen Teil der Bevölkerung und behandelt auch religiöse Alltagsfragen aus Islam und Christentum. Besondere Programme ermöglichen jungen religiösen Frauen, als Teil ihrer Armeezeit Freiwilligendienste zu leisten oder anstelle des Militärdienstes im Rahmen eines „Nationalen Zivildienstes“ (Scherut Le’umi-Esrachi) in sozialen Brennpunkten und Erziehungseinrichtungen zu arbeiten.

Links

 

Religiöse und säkulare Erziehung

Seit dem Schock über die Ermordung des israelischen Premierministers Jizchak Rabin 1995 durch einen fanatischen religiösen Juden gilt die Förderung einer Verständigung zwischen säkularen und religiösen Bevölkerungsgruppen als nationale Aufgabe. Besondere Bildungsprogramme und Initiativen versuchen, die bisherige starre Trennung zwischen religiösen und säkularen Erziehungssystemen zu mildern. Das Interesse auch säkularer Israelinnen und Israelis an einer persönlichen Begegnung mit religiösen biblischen und talmudischen Schriften wächst. In „Lernstuben“ zu moderner Auslegung der Schriften treffen sich junge und alte, säkulare und religiöse Israelis zum gemeinsamen Lernen.

Links

 

Religion und Demokratie

Religiösen Bildungseinrichtungen kommt bei der Erziehung zu jüdischen und demokratischen Werten und zum Dialog mit anderen Religionen und Kulturen eine wichtige vermittelnde Rolle zu. National-religiös gesinnte Jugendliche in der israelischen „Siedlungsbewegung“ fühlen sich nach Zwangsräumungen von israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten von Regierung, Armee und Medien im Stich gelassen, distanzieren sich vom Establishment und greifen zum Teil zu gewalttätigem Widerstand. Erziehungsprogramme versuchen, ein Auseinanderfallen der israelischen und jüdischen Identität zu verhindern.

Links

 

Interreligiöse Beziehungen

Religiöse Begegnungs- und Bildungsprogramme thematisieren auch den Dialog zwischen verschiedenen Religionen in Israel, vor allem zwischen Judentum, Christentum und Islam, und bieten entsprechende Lern- und Dialogprogramme an. Zum Teil engagieren sich diese Initiativen auch für arabisch-jüdische oder israelisch-palästinensische Verständigung.

Links

 

Fragen und Antworten

Zum Studium jüdischer Religion, Kultur und Tradition und zum Austausch mit anderen darüber sind Lernportale und Internet-Foren ein ideales Medium. Das Erziehungsministerium unterstützt die Entwicklung von Räumen im Internet, in denen Interessen, Fragen und Probleme religiöser Jugendlicher verhandelt werden. Bei religiösen Jugendlichen besonders beliebt sind Internet-Foren in Form von individuellen Fragen und Antworten in Form eines Zwiegespräches zwischen Surfenden und Rabbinern. Sie nutzen Internetangebote zum Austausch über alltägliche Fragen des Glaubens, Religion und auch gesellschaftspolitische Themen.

Links

Offene Jugendarbeit

Insgesamt hat in den vergangenen Jahren das politische Gewicht der traditionellen landesweiten Jugendverbände abgenommen. Die Bedeutung lokaler Gemeindestrukturen mit Jugendzentren und Jugendklubs ist dagegen gewachsen. Viele junge Menschen organisieren heute Freizeit und gesellschaftliches Engagement, ohne Mitglieder in Jugendverbänden oder Parteien zu sein.

In der Offenen Jugendarbeit engagieren sich viele verbandsunabhängige Jugendgruppen und nichtstaatliche Organisationen. Oft spielen die örtlichen Zentren für Kultur, Jugend und Sport (Matnass, Plural: Matnassim) eine wichtige Rolle. Das sind selbstständige Einrichtungen mit hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiterschaft. Vor allem in kleineren Orten, Entwicklungsstädten und sozial benachteiligen Nachbarschaften bieten sie vielfältige Programme und Aktivitäten für Bevölkerungsgruppen aller Altersgruppen an. Sie verfügen über Sportanlagen, Klubräume, Kinos, Theater, Musik, Sprachkurse und ermöglichen Bildung und Freizeitaktivitäten. Häufig sind sie auch Arbeitsplatz von Freiwilligen im Rahmen ihres Zivil- oder Militärdienstes.

Auch unabhängige Jugend- und Gemeindezentren in freier Trägerschaft können mit dem Dachverband der Zentren für Kultur, Jugend und Sport, der Vereinigung der Gemeindezentren, zusammenarbeiten ohne ihr formal anzugehören. Die Programmangebote in den Zentren wollen Selbstbewusstsein und Engagement von Jugendlichen in ihrer Gemeinde stärken. Sie richten sich besonders an sozial und gesellschaftlich benachteiligte Gruppen.

Eine besondere israelische Form der offenen Jugendarbeit leistet der sogenannten Stadt-Kibbuz (Kibbuz Ironi). In der Regel gegründet von Mitgliedern eines etablierten Kibbuzes oder einer sozialistischen Jugendbewegung engagieren sie sich seine Mitglieder in Erziehungs- und Sozialprojekten für benachteiligte Jugendliche der jeweiligen Stadt und Region. Insgesamt finden sich etwa 100 derartige Lebens- und Arbeitsgemeinschaften in verschiedenen Teilen des Landes.

Links

Jugendinformation

Strukturen der Jugendinformation

Für Kinder und Jugendliche steht ein Netz von staatlichen und behördlichen Informations- und Beratungsstellen zur Verfügung. Sie richten sich vor allem an Menschen in Notsituation und an Bevölkerungsgruppen, die relativ geschlossene und von der jüdischen-säkularen Mehrheitsbevölkerung abgeschieden lebende Gruppen bilden, wie zum Beispiel die jüdische ultra-religiöse Bevölkerung (Charedim) oder die arabisch-palästinensische Minderheit. Für unterschiedliche Gruppen stehen auch Programme in verschiedenen Sprachen zur Verfügung: Arabisch, Russisch, Englisch, Französisch, Jiddisch, Amharisch.

Zentrale landesweite staatliche Anlaufstelle für Beratung und Hilfe suchende Kinder, Jugendliche, Erziehungsberechtigte sowie Pädagog*innen ist Schefi, der Psychologische Beratungsdienst. Er arbeitet in der Verantwortung des Erziehungsministeriums mit Niederlassungen in allen Regionalbezirken. In der Verantwortung des Ministeriums für Arbeit, Wohlfahrt und Soziale Dienste und in Zusammenarbeit mit den Lokalbehörden arbeitet Schil, der allgemeine Beratungsdienst für Bürger*innen.

Von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität entwickelt wurde das Snunit Center for the Advancement of Web Based Learning. Es ist das größte pädagogische Internet-Portal für Informationen und Lernen in Israel.

 

Internationale Kooperationen

Innerhalb der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) beschäftigen sich verschiedene Arbeitszweige, zum Beispiel Erziehung, Kultur, Wissenschaft, Soziologie, Umweltschutz, auch mit Themengebieten internationaler Jugend- und Erziehungsarbeit. Expert*innen der israelischen Regierung und israelischer Nichtregierungsorganisationen wirkten – bis zum Austritt Israels aus der UNESCO 2018 – mit. Die Zusammenarbeit von staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen lag bis dahin in der Verantwortung der Nationalen Israelischen Kommission für die UNESCO, Präsident war der israelische Erziehungsminister.

Einem Netzwerk von UNESCO-Chairs gehören Lehrstühle akademischer Einrichtungen aus verschiedenen Staaten an. Es dient der wissenschaftlichen Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung und Erprobung von Modellen internationaler und interkultureller Zusammenarbeit. Dazu gehören Forschung, Ausbildung, Information und Dokumentation. In Israel wurden verschiedene dieser internationalen Lehrstühle eingerichtet, die auch für Themengebiete internationaler Jugendarbeit relevant sind. An der Bar-Ilan-Universität zum Beispiel wurden am Lehrstuhl „Erziehung zu humanistischen Werten, Toleranz und Frieden“ Erziehungsmodelle zu Menschenrechten in Israel, Nahost- und Mittelmeerraum entwickelt.

Links