Veranstaltungsarchiv

"Facing Changes in the Presence of the Past" – Deutsche und Israelische Fachkräfte tagten in Nürnberg

Die Erneuerung des Handbuchs für gemeinsames Erinnern und Gedenken im Rahmen deutsch-israelischer Austauschprogramme war Anlass für die Veranstaltung einer bilateralen Fachtagung, die vom 13. bis 15. März in Nürnberg stattfand. Rund 80 Fachkräfte der Austauscharbeit aus Deutschland und Israel waren eingeladen, gemeinsam Fragen zur Gegenwärtigkeit der Geschichte von Nationalsozialismus und Shoah in Deutschland und Israel zu diskutieren.

Zentral war hierbei zum einen der Blick auf die Nachfolgegenerationen, die heute Teilnehmende von Austauschprogrammen sind und vielfach bereits als 4. oder gar 5. Generation nach den Geschehnissen angesehen werden. Prof. Adi Wolfson machte als Angehöriger der sogenannten 3. Generation anhand seiner selbst verfassten Gedichte deutlich, wie sehr die Verfolgung seiner Großeltern ihn beschäftigen. Gleichzeitig legte er das Augenmerk auf Beobachtungen seines Sohnes, der Teilnehmer eines aktuellen Austauschprojekts ist und zunächst gar keine Bezüge zur Geschichte sieht – und später doch vielfältig davon überrascht wird. Gottfried Kössler vom Fritz-Bauer-Institut verdeutlichte vielfältige Veränderungsprozesse im Umgang mit der Geschichte in Deutschland, die einerseits Tendenzen der Verdrängung fortschreiben, gleichzeitig jedoch ein waches Interesse der jungen Generationen beinhalten.

Zum anderen stand der Blick auf die heterogene und multikulturell vielfältig zusammengesetzte Gesellschaft und Jugend in beiden Ländern im Mittelpunkt: Prof. Eyal Naveh von der Universität Tel Aviv präsentierte ein Modell, bei dem zunächst alle Menschen sich der universellen Bedeutung dieser Geschichte bewusst werden sollen, bevor sie mögliche für sie spezifische "Bedeutungsräume" betreten könnten. Dr. Elke Gryglewski, Haus der Wannseekonferenz, plädierte im Rahmen einer "Pädagogik der Anerkennung" dafür, individuelle Zugänge und Interessen zu dieser Geschichte zu ermöglichen und dabei auch eigene Geschichten von Auswanderung oder Vertreibung, die junge Menschen in Deutschland bisweilen erlebt haben, nicht auszuklammern.

Für die konkrete Austauscharbeit waren vor allem auch die Workshops wichtig: Die deutschen und israelischen Autor/innen der pädagogischen Methoden im neuen Handbuch stellten ihre Vorschläge konkreter Zugänge zur gemeinsamen Reflexion der Bedeutung der Geschichte in deutsch-israelischen Austauschgruppen vor und luden zum Probieren und Diskutieren dieser Methoden ein.

Die Tagung, zu der ConAct, die Stadtverwaltung Jerusalem und der Bayerische Jugendring mit fachlicher Begleitung durch Dr. Nili Keren, Kibbuzim College of Education, eingeladen hatten, war von einer offenen und hoch sensiblen Atmosphäre geprägt. Viele persönliche Beiträge von Referent/innen und Teilnehmenden zur eigenen Familiengeschichte oder über konkrete Erfahrungen im Austausch machten die starke Gegenwärtigkeit der Geschichte spürbar und sensibilisierten gleichzeitig für die Herausforderung eines angemessenen Umgehens mit dieser Geschichte in deutsch-israelischen Austauschprogrammen – auch 60 Jahre nach den Geschehnissen.

Hier finden Sie das Programm der Tagung.

(c) Die Rechte an allen hier dargestellten Fotos liegen beim Bayerischen Jugendring und bei ConAct.