Veranstaltungsarchiv

70 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz: ConAct-Freiwillige nahmen an der Internationalen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages teil

Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von den sowjetischen Truppen befreit. Aus diesem Anlass beschäftigte sich die Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages im Jahr 2015 mit eben jenem Symbol des Holocaust, das zugleich für die Verbrechen des Nationalsozialismus insgesamt steht. Auch die beiden Freiwilligen im Büro von ConAct, Manoël Johr und Alon Spitzer, nahmen an der Begegnung in Polen und Deutschland sowie an der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teil und berichten im Folgenden von ihren persönlichen Eindrücken.

„Ich war zum ersten Mal in Auschwitz. Es ist ein Ort, der nur sehr wenig verändert wurde. Dort wird in Ansätzen vorstellbar, wie dieses Lager gewesen sein könnte. Als wir dort waren, lagen die Temperaturen um den Gefrierpunkt und es hat geschneit. Wir alle haben gefroren. Wie viel schlimmer muss es gewesen sein, wenn man nur die dünne Häftlingsuniform tragen durfte? Auch die Ausmaße des Lagers Birkenau, das einzig der Vernichtung von menschlichem Leben diente, waren gewaltig.

Wir hatten aber auch die einzigartige Gelegenheit, die höchsten Repräsentanten des deutschen Staates und Marian Turski zu treffen und zu befragen. In Berlin fand eine Podiumsdiskussion mit Bundespräsident Joachim Gauck, dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und dem Auschwitz-Überlebenden, Vorstand des Internationalen Auschwitz Komitees und Vorsitzenden des Museums der polnischen Juden in Warschau Marian Turski statt. Unter dem Eindruck des in Polen Gesehenen wollten wir zum Beispiel wissen, wie in den verschiedenen Ländern, also Polen, der Bundesrepublik und in der DDR, erinnert wird und worden war. So fragten wir, wie die Aufarbeitung in Deutschland vorangeht. Dabei ging es uns vor allem darum, wie mit der Vergangenheit von Behörden, bei denen ehemalige Nazis gearbeitet haben, umgegangen wurde und wird. Auch interessierte uns, ob es zum Beispiel vorgekommen sei, dass ein Bundesverdienstkreuz an ehemalige Nazis vergeben wurde. Und all diese Fragen wurden uns beantwortet. Das Gespräch können Sie hier in ganzer Länge sehen.

Der Höhepunkt war die Teilnahme an der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am 27. Januar 2015 im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei durften wir im Plenarsaal sitzen, obwohl es eigentlich als Außenstehender unmöglich ist, auch nur dort hineinzugelangen. Schon gar nicht, wenn es dort eine Veranstaltung gibt. Uns wurde es allerdings erlaubt. Aus meiner Sicht ist hervorzuheben, dass der Bundespräsident fragte, ob es nicht auch heute viele Verbrechen, die zwar in ihren Ausmaßen nicht, wohl aber in ihrer Intention mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergleichen sind, verübt werden, wie zum Beispiel im Irak oder in Syrien; was hätten wir getan, um diese zu verhindern. Ich habe daraus die Verantwortung mitgenommen, dass solche Gräuel zukünftig nicht zugelassen werden dürfen. Das wird die Aufgabe meiner Generation sein – meine Aufgabe!”

Abschließend kann ich sagen, dass diese Fahrt einmalig war und ich sehr viel Neues erfahren habe. Außerdem wurde ich sensibilisiert, mehr über Politik nachzudenken. Wie kann zum Beispiel verhindert werden, dass auf der Welt irgendwann noch einmal solche Verbrechen verübt werden. Hinzu kommen noch die vielen tollen Bekanntschaften, die ich auf der Reise geschlossen habe.“

Manoël Johr, Freiwilliger im FSJ Politik

 

“Germany, France, Poland, Russia, Ukraine, Italy, USA, Israel.

These countries represent only a part of the 13 countries the 78 young people came from, who took part in the youth exchange. The youth exchange was organized and funded by the German Parliament (Bundestag) in order to commemorate and remember the victims and atrocities committed by the National Socialist regime in Germany in the first half of the last century. As we sat in parliament during the remembrance ceremony, one cannot help but think how could such an atrocity happen in a land like this? How could things go so wrong so fast? How could a family man with a five year old daughter kill in cold blood hundreds, if not thousands of innocent children, women and men?

The answers for these questions still remain unanswered after an intense week dealing and discussing the subject. On the contrary, the questions only intensify the more we learn and witness the atrocities committed by the Nazis and their allies between 1933 and 1945.

We started our journey in Berlin, the capital city of Germany. There we had an interesting discussion with Dr. Robert Żurek, who widened our knowledge about the German occupation of Poland. We then flew on the next day to Krakow and after a one hour bus drive arrived at the city of Oświęcim (Auschwitz in German), only about a ten-minute drive away from the darkest place on earth. It is hard to imagine that life in Oświęcim is completely normal, there is a nice city center, some shops and cafes, students walking back home from school. We were guided through the city and introduced to the once thriving Jewish life in the city, and how it used to be a symbol for co-existence of Jews and Christians. ‘Auschwitz’ – this one name that sends a shiver to the spine of almost every sensible human being. The second you see the buildings, the towers, the fence, the infamous gate, you know you are there; you are in that horrible place you heard and learned about all your childhood and youth, and suddenly it is real, it is there, you are in it. All the time you are there, you have that feeling of unease, picturing the events that took place there, in those buildings, within these fences.

I do not think I could have handled being there on my own, if it was not for the people who were there with me during this trip. Being alone with your thoughts might just be one of the worst things after being there and hearing testimonies from survivors about their time in Auschwitz. I am glad to say we got along together perfectly as a group – the days were long and we were overwhelmed with material and information, the evening and nights were our time to let go a bit, ease the stress and get to know each other on the personal level. The different cultures we come from, our languages and how we all get along with the memory of those dark times.

I am really glad that I had the chance to take part in this youth exchange and widen my perspectives, meet new friends from different countries and be able to talk about the remembrance of those dark days openly, with intelligent young people at my age.”

Alon Spitzer, Freiwilliger im Programm Kom-Mit-Nadev