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Diversität in Bildung und deutsch-israelischem Jugendaustausch: 80 Fachkräfte treffen sich auf Einladung von ConAct in Berlin

„Angesichts der Vielfalt – Living Diversity in Germany and Israel“: Am 22. Juni war ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch Gastgeber eines Fachtags im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin.

„Das Leben in offenen und demokratischen Gesellschaften ist bereits seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema in deutsch-israelischen Bildungs- und Austauschprogrammen. Gleichzeitig braucht es neue Maßnahmen und Mittel“, wie Christine Mähler, Leiterin von ConAct, erklärte. „Während dieses Fachtags konnten wir als Teil eines Zwischenberichts des Projekts über die erreichten Ergebnisse nachdenken und einen Raum für Netzwerkarbeit und den Austausch von Ideen schaffen.“

In Paneldiskussionen und verschiedenen Seminaren sprachen die Beitragenden unterschiedliche, wichtige Aspekte des Lebens in diversen Gesellschaften an. Sie diskutierten die Herausforderungen und Möglichkeiten, welche eine plurale Gesellschaft für die Jugendarbeit in Deutschland und Israel bieten kann. Zusätzlich wurden den Teilnehmenden Konzepte und Methoden diversitätsbewusster Bildung vorgestellt. Methoden zur Stärkung marginalisierter Gruppen, Handlungsmöglichkeiten gegen Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft, Diskussionen rund um die Frage des Umgangs mit unterschiedlichen Narrativen und auch künstlerische Ansätze zum Umgang mit Diversität wie Tanz und Theater – dies waren nur einige Aspekte der breiten, interessanten, aber auch komplexen Palette von Diversität im deutsch-israelischen Jugendaustausch.

Zwischen Herausforderungen und Möglichkeiten

„,Living Diversity‘ ist kein Zuckerschlecken, das ist keine Harmonieveranstaltung“ betonte der Präsident der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe Volker Beck in seiner Rede, die vor allem Aspekte von Deutschland als Migrationsgesellschaft zum Thema hatte. Besonders im Hinblick auf religiösen Fundamentalismus, der zu einem problematischen Verständnis von Demokratie führt, sei es notwendig, ernsthaft und langfristig zu handeln, so Beck. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Deutschland und Israel mehr Unterstützung von jungen Menschen beider Länder bräuchten. Die Gründung von Alumni- oder anderen Nachfolgegruppen für Teilnehmende von Jugendaustauschen könnte die langfristige Wirkung dieser Programme weiter stärken. Während ihrer Eröffnungsrede bezog sich die Staatssekretärin des Bundesjugendministeriums Caren Marks ebenso auf die Schwierigkeiten, die mit einer vielfältigen Gesellschaft einhergehen, und auf die Bedeutung starker demokratischer Kompetenzen als der Säule multikultureller Gesellschaften. „Nicht alle haben es leicht im Umgang mit Vielfalt. Demokratie ermöglicht sie, denn sie beansprucht die Gleichheit aller Menschen und setzt Respekt zwischen ihnen voraus. In einer demokratischen Gesellschaft führen Unterschiede nicht zu Krieg, sondern zu Diskussionen“, so Marks.

Verbindungen zur Vergangenheit ermöglichen bedeutungsvolle Begegnungen für die Zukunft

Die Paneldiskussionen fanden unter Beteiligung von Gästen aus dem politischen Spektrum, der Wissenschaft, Kunst und Jugendarbeit statt, die ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema austauschten. Schwer erreichbare Jugendliche zu gewinnen, bleibt von hoher Bedeutung für den deutsch-israelischen Jugendaustausch. Geographische Faktoren spielen dabei auch eine wichtige Rolle, wie der Parlamentarier Dr. Thomas Feist erwähnte. „Jugendliche, die an einem Austausch teilnehmen, sollten so viele verschiedene Aspekte des Landes wie möglich kennenlernen. Neben dem Besuch Tel Avivs ist es wichtig, auch Städte mit gemischter und vielfältiger Bevölkerung kennenzulernen. Genauso wie israelische Jugendliche auch ländliche Gebiete in Deutschland besuchen sollten.“ Professor Eyal Naveh verwies auf den Stellenwert, den das gegenseitige Lernen aus der Geschichte des Anderen hat, um die Vergangenheit als ein Werkzeug für das heutige Zusammenleben in einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu verwenden. „Vor wenigen Jahrzehnten hatte Deutschland einen Tiefpunkt erreicht. Seither hat es sich auf wahrhaft inspirierende Weise erneuert. Es hat sich trotz aller Schwierigkeiten zu einem demokratischen und vielfältigen Gemeinwesen umerzogen. Diese Begegnungen ermöglichen den Teilnehmenden des anderen Landes zu lernen, wie eine Gesellschaft sich erneuern kann.“

Keren Pardo ist seit 2005 im deutsch-israelischen Jugendaustausch aktiv. Sie betonte dass man nicht vergessen sollte, welcher Prozess sich langfristig schon auf beiden Seiten entwickelt hat. Themen, die einst ein Tabu waren, haben Bildner*innen zu Diskussionen und der Entwicklung von Methoden veranlasst, um damit umzugehen. Die nächsten Module des Projekts „Living Diversity in Germany and Israel“ zielen darauf ab, den weiteren Austausch von Expert*innenwissen und konkreten Methoden zu diversitätsbewusster Bildung zu fördern.

Zwischenbericht zum Projekt „Living Diversity in Germany and Israel“

Zum Anlass des Fachtags stellen die Projektkoordinator*innen Ilira Aliai und Falko Kliewe die kürzlich erschienene Broschüre „Living Diversity in Germany and Israel: Momentaufnahmen – Reflexionen – Fragestellungen“ vor. Weitere Informationen sowie eine Bestell- und Downloadmöglichkeit finden Sie hier.