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Beratungsgremium im Projekt „Living Diversity in Germany and Israel“ trifft sich zur Zwischenreflexion

Seit mehr als einem Jahr haben Fachkräfte aus dem Feld des Jugendaustauschs und der Jugendarbeit in Deutschland und Israel ihre Erfahrungen, ihr Fachwissen und Fragen rund um diversitätsbewusste Bildung in ihren jeweiligen Ländern ausgetauscht. Am 21. Juni 2017 traf sich das Beratungsgremium des Projekts „Living Diversity in Germany and Israel – Challenges and Perspectives for Education and Youth Exchange“ zum dritten Mal, um über die vergangenen Aktivitäten zu reflektieren und konkrete Pläne für die weitere Entwicklung des Projekts zu diskutieren.

Präsentation der Publikation

Bei diesem Anlass hatten die Projektkoordinator*innen Gelegenheit, den Mitgliedern des Gremiums die neue Publikation „Living Diversity in Germany and Israel: Momentaufnahmen – Reflexionen – Fragestellungen“ vorzustellen. Die Veröffentlichung besteht aus einer Sammlung zentraler Themen und Fragestellungen, die im bisherigen Projektverlauf diskutiert worden sind. Auch Mitglieder des Beratungsgremiums trugen mit ihrem Expert*innenwissen zur Erstellung der Broschüre bei, indem sie Essays zu relevanten Themen des Projekts verfassten:

Wie können wir Repräsentativität im deutsch-israelischen Jugendaustausch erreichen und was sollte dabei berücksichtigt werden? Prof. Dr. Doron Kiesel sprach über die Wichtigkeit, die Teilnehmenden nicht nur als Repräsentant*innen einer bestimmten Gruppe zu sehen, sondern eher ihre individuellen Eigenschaften anzuerkennen und hervorzuheben.

Miriam Awad Morad vom arabischen Sektor der israelischen Jugendbewegung „NOAL“ sowie Marcel Plagemann von der deutschen Jugendbewegung „Die Falken“ präsentierten ihre eigenen Essays rund um das Thema „Empowerment“ und dessen Bedeutung für die Entwicklung einer partizipativen Jugendkultur. Miriam betonte wie wichtig es sei, Werkzeuge und Methode für die historisch-politische Bildung zur Verfügung zu stellen, um über die Geschichte des „Anderen“ zu sprechen. Besonders in heterogenen Gruppen sei es notwendig, Raum für mehr als ein Narrativ zu schaffen, auch wenn diese Narrative sich vermeintlich ausschließen – so wie es oft in der israelischen Gesellschaft wahrgenommen wird.

Weitere Handlungserfordernisse

Der zweite Teil des Treffens war der Abwägung von Ideen zur weiteren Entwicklung des Projekts „Living Diversity in Germany and Israel – Challenges and Perspectives for Education and Youth Exchange“ gewidmet. Welche gegenwärtigen Tendenzen und Themen können wir für die Jugendarbeit und politische Bildung in Deutschland und Israel ausmachen? Wie beeinflussen globale und lokale Entwicklungen die Handlungsanforderungen im Feld? Während der Diskussion wurden verschiedene Ideen und Vorschläge gesammelt. Die Mitglieder des Beratungsgremiums betonten, dass Stigmata und soziale Tabus offen angesprochen werden müssen, um damit umzugehen. Zu verstehen, mit welchem „Rucksack“ jede Person den Jugendaustausch antritt, ist besonders wichtig in gemischten Gruppen. Insbesondere in der Arbeit mit „schwer erreichbaren Jugendlichen“ beider Länder ist es entscheidend, ein starkes Vertrauen zu entwickeln, wenn Emotionen und Ängste als Vorbedingung für die weitere Arbeit gegen Diskriminierung berücksichtigt werden.

Dem Begriff „Fremdheit/Anderssein“ (engl. otherness) wurde in den Diskussionen ein hoher Stellenwert eingeräumt. Wie gehen wir damit im deutsch-israelischen Jugendaustausch um? Ein äthiopischer Jude in Israel zu sein ist beispielsweise eine sehr einzigartige und besondere Form des Andersseins auf Basis eines anderen Hintergrunds. Selbstbestimmung und die Stärkung der individuellen Identität sind zwei der Kernprinzipien diversitätsbewusster Bildung. Es ist jedoch notwendig, jede Gruppe getrennt voneinander zu betrachten und zu berücksichtigen, dass die Stärkung der ethnischen Zugehörigkeit ebenso wichtig für bestimmte Gruppen von Jugendlichen sein kann.

Die Mitglieder des Gremiums behandelten auch das Thema, wie Erwartungen zu handhaben sind: Wie stellen wir uns die multikulturelle Gesellschaft der Zukunft vor und was erwarten wir uns davon? Wie stärken wir das Zugehörigkeitsgefühl bestimmter Gruppen, während in den sozialen und politischen Strukturen fortwährend Formen von Diskriminierung reproduziert werden?

Die nächsten Schritte des Projekts „Living Diversity in Germany and Israel – Challenges and Perspectives for Education and Youth Exchange“ zielen darauf ab, einen produktiven Rahmen für den weiteren Austausch von Fachwissen zu schaffen. Dabei sollen die gesammelten Themen Berücksichtigung finden.